ZHAW schlägt Neugestaltung für Energiemarkt vor

10. Dezember 2018 13:27

Winterthur - Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) sieht mit den bestehenden Förderinstrumenten die Ausbauziele für die Energiewende gefährdet. In einer Studie schlägt sie eine Neugestaltung des Energiemarktes vor.

Die ZHAW hat für ihre Studie, die sie im Auftrag der Dachorganisation der Wirtschaft für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (AEE Suisse) angefertigt hat, die Massnahmen der bestehenden Energie- und Klimapolitik des Bundes aus ökonomischer Sicht untersucht. Laut einer Medienmitteilung stufen die Studienleiter Reto Schleiniger und Christian Winzer diese Massnahmen zwar als effizient ein. Allerdings könne durch diese nicht garantiert werden, dass die im Energiegesetz für 2035 festgelegten Ausbauziele für erneuerbare Energien auch erreicht werden.

„Eine Möglichkeit, um die Kosten der Förderung in Zukunft möglichst gering zu halten, wäre der Wechsel zu einem einheitlichen Fördersatz, der sich danach ausrichtet, wie viel Strom mit einer bestimmten Technologie pro Jahr und installierter Leistung produziert wird“, wird in der Mitteilung ein Vorschlag unterbreitet. Dadurch würde zwischen den verschiedenen Technologien ein Wettbewerb entstehen, in dessen Folge sich die kostengünstigste Methode durchsetzen könnte, meint Schleiniger. Zudem solle die Höhe der Förderung „automatisch an die Erreichung der politisch vorgegebenen Ziele angepasst“ werden.

Im Hinblick auf die Versorgungssicherheit machen die Forscher auch ein Problem mit dem Modell einer strategischen Reserve aus. Hier müsse gewährleistet sein, dass diese Reserve zu einem nicht zu niedrigen Preis veräussert wird, da somit die Motivation der Stromerzeuger, eine solche Reserve anzulegen, zu niedrig sei. Stattdessen schlägt die ZHAW-Studie vor, „einen dezentralen, marktbasierten Ansatz für Versorgungssicherheit zu wählen“. Ausganspunkt ist die Erkenntnis, dass der Wert der Versorgungssicherheit für den Verbraucher stark schwankt. Mit der dezentralen Absicherung „würde sichergestellt, dass jeder Kunde das Sicherheitsniveau erhält – und bezahlt –, welches er tatsächlich benötigt. Statt das Netz und die zentrale Produktion auszubauen, würden die Betreiber damit auf kostengünstigere dezentrale Flexibilität bei Engpässen setzen“. 

Schleiniger und Winzer haben sich zudem mit der CO2-Abgabe beschäftigt. Diese würde aktuell nur für 30 Prozent der gesamten CO2-Emissionen erhoben. Daher schlagen sie mit dem impliziten CO2-Preis eine neue Berechnungsgrundlage vor. Dafür werden Einnahmen mit Ausgaben verglichen. Der Treibstoffverbrauch eines Autos erreicht somit einen stark negativen impliziten Preis. „Das bedeutet, dass der Preis für die Nutzung von Personenwagen aktuell noch nicht einmal die in der Schweiz anfallenden Kosten deckt“, heisst es in der Mitteilung. Bei Brennstoffen, die beispielsweise für die Heizung genutzt werden, liegt der Preis hingegen deutlich im positiven Bereich, da auf diese eine CO2-Abgabe erhoben wird. jh

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