Zellen sind deutlich intelligenter als gedacht

19. Juli 2022 11:17

Zürich - Einzelne Zellen treffen autonome Entscheidungen und beziehen dabei Informationen von aussen und innen mit ein. Forschende der Universität Zürich haben festgestellt, dass sie also adäquate kontextabhängige Entscheidungen treffen. Das übertrifft bisherige Annahmen.

Einzelne Zellen treffen ihre Entscheidungen viel autonomer als bisher angenommen. Das hat ein Forschungsteam der Universität Zürich (UZH) anhand einer Methode entdeckt, die es selbst entwickelt hat. „Sie erlaubt es, bis zu 80 verschiedene Proteine und Eiweissmodifikationen in einzelnen Zellen mittels Fluoreszenzmikroskopie gleichzeitig sichtbar zu machen und zu quantifizieren“, wird Studienerstautor und Doktorand Bernhard Kramer in einer Medienmitteilung zitiert.

Die Forschenden konzentrierten sich auf die wichtige Entscheidung einer Zelle, ob sie sich teilen soll oder nicht. Dabei stellten sie fest, dass die Entscheidung der Zelle davon abhängt, was sie von mehreren Sensoren wahrnimmt. „Und diese Wahrnehmung kann durch Signale vom inneren Zellzustand vorhersehbar beeinflusst werden“, so die UZH.

Das ist etwa bei behandlungsresistenten Zellen relevant, die nicht auf wachstumshemmende Therapien reagieren. „Solche Resistenzen gegen Medikamente sind ein grosses Problem im Kampf gegen den Krebs“, so Lucas Pelkmans, Professor am UZH-Institut für Molekulare Biologie. „Eine mögliche Lösung wäre, die kontextuellen Hinweise, die einzelne Zellen erfahren, zu berücksichtigen und letztlich zu verändern.“

Alle äusseren und internen Hinweise müssten laut Kramer für die Entscheidung einer Zelle zusammen betrachtet werden: „Einzelne Zellen sind also in der Lage, adäquate kontextabhängige Entscheidungen zu treffen – und sind somit deutlich intelligenter als bisher angenommen.“ mm

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