Wirtschaftlicher Erfolg braucht mehr als tiefe Steuern

11. Juli 2016 12:26

Zürich - Grossbritannien will die Unternehmenssteuern drastisch senken und verweist auf das Vorbild der Schweiz. Der wirtschaftliche Erfolg der Schweiz basiert jedoch nicht nur der Steuerpraxis, sondern etwa auch auf den Freihandel mit der EU, erklärt Avenir Suisse-Ökonom Salvi im Interview.

Lediglich mit einer Steuerpolitik nach Schweizer Vorbild wird Grossbritannien wirtschaftliche Prosperität nach einem Austritt aus der EU nicht sichern können. Diese Ansicht vertritt Forschungsleiter Marco Salvi von der Zürcher Denkfabrik Avenir Suisse in einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenportal „Spiegel online“. Für den 47-jährigen Schweizer Ökonomen ist ein ganzes Bündel von Massnahmen für den wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz grundlegend. So habe der Staat die beträchtlichen Mehreinnahmen aus der Unternehmenssteuer zum Teil in die Hochschulen gesteckt, die nun im internationalen Vergleich exzellent seien.

Salvi gibt zudem zu bedenken, dass in der Schweiz nur für diejenigen Unternehmen die Steuern sehr tief seien, die rasch wieder abwandern könnten. „Wenn Sie aber die Steuern für alle Unternehmen stark senken, sind zumindest am Anfang die Einnahmeausfälle für den Staat sehr hoch“, so der Avenir Suisse-Experte. „Die muss er dann ausgleichen, entweder durch höhere Mehrwert- oder Einkommensteuern - oder er muss drastisch sparen.“ Alle Optionen seien jedoch politisch schwer durchsetzbar. Salvi räumt ein, dass man den Briten im nationalkonservativen Lager der Schweiz für die Brexit-Entscheidung Respekt zolle. Viele Schweizer merkten jetzt jedoch, „dass die vielen Verträge mit der EU vielleicht doch sinnvoll sind - wo die Briten sie so sehr für sich wünschen“. eg



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