Wirtschaftliche Autonomie wäre für die EU teuer

30. Juli 2021 14:17

Kiel - Die EU strebt bei als wichtig erachteten Gütern eine Abkopplung von internationalen Lieferketten an. Dadurch würde das Bruttoinlandprodukt aber um bis zu 5,3 Prozent tiefer ausfallen, zeigt eine neue Studie. Auch die Schweiz wäre negativ betroffen.

Die EU strebt unter dem Leitmotiv „strategische Autonomie“ bei bestimmten als wichtig erachteten Gütern eine Abkopplung von internationalen Lieferketten an. Damit sollen diese unabhängig von internationalen Krisen verfügbar sein. Allerdings würde so eine Abkopplung hunderte Milliarden Euro kosten, wie nun eine Studie des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel zeigt.

Die Abkopplung von internationalen Lieferketten könnte etwa durch Handelsbarrieren, Steuervorteile oder Subventionen erreicht werden. Wenn solche Schritte nur von der EU ergriffen würden, so würde das Bruttoinlandprodukt (BIP) jedes Jahr verglichen zum Basisjahr 2019 preisbereinigt rund 580 Milliarden Euro oder 3,5 Prozent geringer ausfallen, so die Studienautoren. Wenn aber auch die Handelspartner Europas Massnahmen ergreifen, dann könnte der Verlust sogar auf rund 870 Milliarden Euro oder 5,3 Prozent ansteigen.

In Diskussion steht auch eine einseitige Abkopplung von China. Eine solche würde bei einseitiger Einführung von Handelsbarrieren 130 Milliarden Euro kosten, was etwa 0,8 Prozent des BIP entspricht. Wenn China Gegenmassnahmen einführen würde, wären die Kosten bei rund 170 Milliarden Euro, was etwa 1 Prozent des BIP entspricht.

Allerdings würde ein Abkopplung von internationalen Zulieferern auch die Preise für Zwischengüter steigen lassen. „Das überträgt sich entlang der Lieferketten in höhere Preise sowohl für innerhalb der EU konsumierte Güter als auch für EU-Exporte, die dann wiederum Güter in anderen Ländern verteuern“, erklärt Alexander Sandkamp, einer der Autoren der Studie. Laut Sandkamp wären auch Nicht-EU-Länder wie die Schweiz in einigen Szenarien stark betroffen, weil ihr Handel stark mit der EU verflochten ist.

Trotz der Kritik an Handelshürden sehen auch die Autoren der Studie Handlungsbedarf, die EU-Wirtschaft gegen Krisen im internationalen Warenverkehr widerstandsfähiger zu machen. Statt einer Abkopplung würden sie aber das Lieferantennetz breiter aufstellen, die Wiederverwertung fördern und die Lagerhaltung verbessern. ssp

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