Widersprüchliche Diagnosen verunsichern Patienten

30. September 2020 13:13

Winterthur - Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hat in einer Studie festgestellt, dass sich widersprechende ärztliche Diagnosen und Empfehlungen in der Schweiz ein relevantes Thema sind. Besonders betroffen sind Personen mit chronischen Krankheiten.

Rund die Hälfte der Patientinnen und Patienten, die für eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) befragt worden sind, waren im Lauf der vergangenen zwei Jahre mit widersprüchlichen medizinischen Einschätzungen konfrontiert. Laut einer Medienmitteilung der ZHAW handelt es sich bei dieser Studie um „eine der ersten Analysen, die genaue Informationen zu Bedeutung, Beschaffenheit und Ursachen widersprüchlicher Einschätzungen im Schweizer Gesundheitswesen liefern“. 

Diese nicht-repräsentative Umfrage wurde im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit durchgeführt. Demnach sind von widersprüchlichen Informationen besonders häufig Menschen mit chronischen Gesundheitsproblemen wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen (49 Prozent gegenüber 28 Prozent der übrigen Befragten) betroffen. Sie kommen auch umso eher vor, wenn mehrere Fachleute an Behandlungsprozessen beteiligt sind.

„Eine zentrale Ursache für das Phänomen ist häufig eine mangelnde Abstimmung zwischen den verschiedenen Gesundheitsfachpersonen, nicht zuletzt in der Kommunikation gegenüber den Patientinnen und Patienten“, so Studienleiter Florian Liberatore. In neun von zehn Fällen könnten die Widersprüche aufgelöst werden. „Dennoch führt die Situation bei etwa der Hälfte der Betroffenen zu Verunsicherung und einer emotionalen Belastung.“

Die Studie enthält einen Leitfaden mit Ratschlägen für Patientinnen und Patienten. Weitere Empfehlungen betreffen unter anderem den Aufbau geeigneter Prozess- und Verantwortungsstrukturen in der Behandlungskette und die Schaffung von Anreizen für einen besseren Informationsaustausch zwischen Gesundheitsfachpersonen. mm

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