Welche Auswirkungen hat die Wahl von Joe Biden auf den Klimaschutz?

17. November 2020 15:12

Die Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten könnte ein Glücksfall für den weltweiten Klimaschutz sein, schreibt Ursula Finsterwald. Seine Pläne, dem Pariser Übereinkommen wieder beizutreten und die angekündigte „Clean Energy Revolution“, sind vielversprechend.

von Ursula Finsterwald

Joe Biden hat am 3. November die Wahl zum amerikanischen Präsidenten gewonnen. Am 4. November 2020, trat die Kündigung der USA aus dem Pariser Übereinkommen in Kraft; ein Jahr nach der formellen Austrittserklärung. Dies, nachdem Donald Trump nach seinem Amtsantritt im Januar 2017 ankündigte, dass die USA das Pariser Übereinkommen verlassen würden. Trump hat auch weitere politische Vorgaben zum Klima- und Umweltschutz rückgängig gemacht, und lieber Branchen gefördert, die keine Zukunftschancen haben – wie beispielsweise die Erdölbranche. Hinter China sind die USA heute mit rund 15 Prozent der globalen CO2-Emissionen der zweitgrösste Emittent. Deshalb wären sie ein wichtiger Partner für den Klimaschutz.

Umfassender Klimaschutzplan des nächsten Präsidenten

Joe Biden nimmt im Gegensatz zu Donald Trump wissenschaftliche Erkenntnisse um das Thema Nachhaltigkeit ernst: Bereits in seinem Wahlkampf hat er immer wieder darauf hingewiesen, dass die USA dem Pariser Übereinkommen wieder beitreten würden, falls er die Wahl gewinnen sollte. Zudem hat er einen umfassenden Klimaschutzplan präsentiert, der noch weiter geht, als seine im letzten Sommer angekündigte „Clean Energy Revolution“. So sollen die USA bis 2050 netto null Emissionen ausstossen – also wie Europa klimaneutral werden. Ausserdem soll die Stromversorgung bis 2035 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umgestellt werden und bis im 2025 sollen die CO2-Emissionen zwischen 26 und 28 Prozent gegenüber 2005 sinken.

Wie will Biden dies schaffen? Um das Ziel zu erreichen, möchte der 46. Präsident der Vereinigten Staaten in den nächsten vier Jahren 2 Billionen Dollar in neue Strassen, Grünflächen, in die Strom- und Wasserversorgung sowie in Schulen investieren. Ebenso sollen in den nächsten Jahren im ganzen Land rund vier Millionen Gebäude energetisch saniert werden. Diese Massnahme soll mehr als eine Million Arbeitsplätze schaffen. Auch die Elektromobilität soll weiter ausgebaut werden. Zudem möchte er ein Forschungszentrum ins Leben rufen, welches Energie- und Klimatechnologien entwickelt, die notwendig sind, um die Klimakrise abzuwenden. Gemäss verschiedener Aussagen seien mehr als 50 Prozent der notwendigen Klimatechnologien noch nicht vorhanden, um die Erderwärmung wirklich auf die 1,5 Grad Celsius zu beschränken, wie es das Pariser Übereinkommen vorgibt.

Erneuter Beitritt zum Pariser Übereinkommen in Aussicht

Ob der nächste US-Präsident seine ehrgeizigen Ziele wirklich erreichen kann, ist ungewiss. Je nachdem wie die Mehrheiten im US-Kongress ausfallen, könnte das schwierig werden. Denn es ist gut möglich, dass er erst die Republikaner von seinen Plänen überzeugen muss. Sollte der US-Senat eine republikanische Mehrheit haben, müsste er mit präsidialen Verfügungen zu seinem Ziel kommen.

Dem Pariser Übereinkommen wieder beizutreten, dürfte daher der wohl einfachste Schritt zu seinem Ziel sein. Nach einem erneuten Beitritt müssen auch die USA, wie die anderen Staaten auch, konkrete Pläne für die Emissionsreduktion vorlegen. Ob sich die USA allerdings von der Ölförderung, insbesondere dem Fracking von Öl und Gas verabschieden werden, lässt Biden bis dato offen. Sein ambitionierter Klimaschutzplan, bis 2035 auf 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung umzustellen, lässt darauf hoffen.

USA könnten Vorreiterrolle im Klimaschutz einnehmen

Schafft es Joe Biden als Präsident, seinen Klimaschutzplan umzusetzen und damit die von ihm im letzten Sommer angekündigte „Clean Energy Revolution“ umzusetzen, könnten die USA eine Vorreiterrolle einnehmen im Zusammenhang mit dem Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Deutschland beispielsweise wird erst per 2038 aus der Kohleförderung aussteigen und auch China investiert heute noch in Kohlekraftwerke, obwohl es angekündigt hat, bis 2060 auf netto null Emissionen zu kommen.

Dass Joe Biden als neuer Präsident gewählt wurde, ist für den Klimaschutz auf alle Fälle positiv. Wir können davon ausgehen, dass die USA bald zurück am Klima-Tisch sitzen und an der Lösung dieser grossen Herausforderung mitarbeiten werden.

 

Ursula Finsterwald ist Head Group Sustainability Management der LGT. Sie behandelt das Thema Nachhaltigkeit von allen Seiten, von Sustainable Investing über die Aspekte von Ressourceneffizienz bis zum Denken in Generationen. Engagement, Kompetenz und Nachhaltigkeit sind Werte, die die LGT nach eigenen Aussagen als familiengeführtes Unternehmen auszeichnen. Die Eigentümerin der LGT, das Fürstenhaus von Liechtenstein, hat über 900 Jahre Tradition und unternehmerische Erfahrung.

Dieser Text wurde erstmals publiziert im LGT Finanzblog

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