Warum die nachhaltige Fischerei ein nationales Zentrum braucht

17. Juni 2020 07:39

Fischen boomt – gerade in Corona-Zeiten. Dabei ist vieles, was unter Wasser abläuft, einem grösseren Publikum nicht bekannt. Ein Schweizer Fischzentrum soll das ändern, sagt Adrian Aeschlimann, Geschäftsführer des Schweizerischen Kompetenzzentrums Fischerei SKF.

von Adrian Aeschlimann

Nachdem der Bundesrat Mitte März das Leben in der Schweiz heruntergefahren hatte, entdeckten viele Fischerinnen und Fischer ihr Hobby wieder, fanden aber ihren Ausweis nicht mehr. Somit mussten sie beim Netzwerk Anglerausbildung einen Ersatz bestellen, und bei uns liefen die Drähte heiss. Zudem werden die nun wieder angelaufenen Kurse zur Erlangung eines „Sachkundenachweises Fischerei“ von Neufischern schier überrannt.

Wer möchte es ihnen verdenken? Fischen ist ein faszinierendes Hobby. Das Naturerlebnis ist garantiert, und es gibt kaum Besseres, um den Kopf zu lüften. Und in Zeiten der Abwehr ansteckender Viren lässt sich nirgendwo besser Abstand halten. Wer dann schliesslich auch einen schönen Fisch an der Angel hat und ihn nach den geltenden Tierschutzregeln behändigen kann, wird voller Zufriedenheit nach Hause kehren.

So viel zur Sonnenseite. In der Realität kehren die Fischerinnen und Fischer oft unverrichteter Dinge dem Gewässer den Rücken. Vor allem die sauerstoff- und kälteliebenden Arten wie Bachforelle oder Äsche leiden unter den steigenden Temperaturen in Folge des Klimawandels. Wasserkraftwerke versperren den Fischen den Weg, Pestizide und Mikroverunreinigungen belasten das Wasser, und mit dem Insektenschwund verringert sich auch das Nahrungsangebot.

Die rund 30'000 in den Vereinen und Verbänden organisierten Fischerinnen und Fischer bemühen sich seit Jahrzehnten um eine nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände. Sie pflegen mit viel Freiwilligenarbeit den Lebensraum der Fische, arbeiten eng mit den Behörden zusammen und setzen sich politisch für Verbesserungen ein. Als „Dividende“ für diese Pflege des Kapitals entnehmen sie den Gewässern nach strengen, staatlich vorgegebenen Regeln eine gewisse Anzahl Fische.

Fischen boomt und doch ist vieles, was unter Wasser abläuft, einem grösseren Publikum nicht bekannt. Auch die Leistungen der Fischerinnen und Fischer werden oft verkannt. Für uns ist darum klar: Gewässer und Fische benötigen mehr Schutz und die Fischerei mehr Sichtbarkeit. Zu diesem Zweck planen die organisierten Fischerinnen und Fischer am Moossee bei Bern ein nationales Zentrum für natürliche Gewässer, Fische und respektvolle Fischerei, kurz „Schweizer Fischzentrum“. Thematisiert wird das Fischen als Kulturtechnik, seine Geschichte und seine Zukunftsaussichten. Ein spezielles Augenmerk wird auf eine tierschutzgerechte und respektvolle Fischerei gelegt. In wechselnden Ausstellungen, Rundgängen, Lehrpfaden, Kursen und Schulungen lernen die Besucherinnen und Besucher die Schweizer Fischarten und ihre Lebensräume kennen und werden für die anstehenden Herausforderungen sensibilisiert. Auch Kochkurse sollen angeboten werden.

Primär soll das Zentrum ermöglicht und getragen werden von den Fischerinnen und Fischern in der Schweiz. Aber: Je breiter die Unterstützung desto besser. Helfen auch Sie mit, dem Zentrum zum Durchbruch zu verhelfen und den Gewässern, den Fischen und dem schönsten Hobby der Welt eine Zukunft zu sichern. Finanzielle und sonstige Unterstützung von allen Seiten ist hochwillkommen.


Weitere Informationen:
https://www.skf-cscp.ch/das-fischzentrum/ oder bei Adrian Aeschlimann, 031 330 28 07 / a.aeschlimann(at)skf-cscp(dot)ch


Adrian Aeschlimann ist seit 2018 Geschäftsführer des Schweizerischen Kompetenzzentrums Fischerei SKF, welches unter anderem die Geschäftsstelle des Netzwerks Anglerausbildung betreibt. Zudem leitet er das Projekt zum Aufbau des „Schweizer Fischzentrums“. Vorher arbeitete er als Journalist und während 15 Jahren in unterschiedlichen Positionen beim Bundesamt für Umwelt BAFU, zuletzt als Projektleiter „Dialog Grüne Wirtschaft“. Zuweilen ist er auch mit einer Fischerrute an einem Gewässer anzutreffen.

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