UZH erforscht Geniessen und Zufriedenheit

28. Juli 2020 14:33

Zürich - Vergnügen und Genuss tragen ebenso zur Zufriedenheit bei wie eine Selbstkontrolle zum Erreichen langfristiger Ziele. Zu diesem Ergebnis kommen Forscherinnen der Universitäten Zürich und Nijmegen.

Die Forscherinnen Katharina Bernecker von der Universität Zürich (UZH) und Daniela Becker von der Radboud Universität im niederländischen Nijmegen sagen der gängigen Bewertung von Selbstkontrolle und Genuss und Vergnügen den Kampf an. Den vielzitierten Satz, erst die Arbeit, dann das Vergnügen, wollen sie nicht stehen lassen. Vergnügen und kurzfristig ausgerichteter Genuss tragen mindestens genauso zu einem zufriedenen Leben bei wie Selbstkontrolle, die es für das Erreichen langfristiger Ziele braucht, heisst es in der Medienmitteilung der UZH zu der neuen Studienreihe der Forscherinnen. Die plädieren dafür, dass Hedonismus, also das Streben nach Lust, Vergnügen und Freude, in der Psychologie mehr Wertschätzung erfährt.

Bernecker und ihre Forschungspartnerin Becker untersuchten anhand eine Fragebogens, ob sich Menschen in dieser Fähigkeit unterscheiden und wie sich dies auf ihr Wohlbefinden auswirkt. Dabei zeigte sich, dass sich gewisse Menschen in Genuss- oder Entspannungsmomenten gedanklich ablenken lassen, indem sie an Aktivitäten oder Aufgaben herumstudieren, die sie stattdessen erledigen sollten. „Man liegt also auf dem Sofa und will sich erholen, denkt aber trotzdem ständig daran, dass man doch eigentlich Sport treiben sollte“, führt Becker als Beispiel an. Ein aktuelles Beispiel sei auch das Home-Office, wo sich jetzt im gewohnten Entspannungsbereich plötzlich auch Anforderungen der Arbeit befinden.

Menschen, die sich dem Genuss ungeteilt hingeben können, erleben nicht nur kurzfristig mehr Wohlbefinden, sondern weisen generell eine höhere Lebenszufriedenheit auf. Auch träten bei ihnen weniger Depressions- und Angstsymptome auf. Genuss und Erfolgsziele seien kein Widerspruch. Bernecker: „Unsere Forschung zeigt, dass für ein zufriedenes und erfolgreiches Leben beide Fähigkeiten wichtig sind, sich gegenseitig ergänzen. Es gilt, im Alltag die richtige Balance zu finden.“ Dazu schlagen die Forscherinnen vor, bewusste bestimmte Genusszeiten im Alltag einzuplanen, die damit klarer von anderen Tätigkeiten abzugrenzen und so ungestörter auszukosten seien. gba

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