UZH entdeckt neues Virus in Zecken

08. Dezember 2022 10:39

Zürich - Forschende am Virologischen Institut der Universität Zürich (UZH) haben in Schweizer Zecken ein hierzulande bisher unbekanntes RNA-Virus entdeckt. Erstmals nachgewiesen wurde es erst 2017 in China. In der Schweiz ist es womöglich bereits weit verbreitet.

Forschende der Universität Zürich (UZH) haben zum ersten Mal das Alongshan (ALS)-Virus in Schweizer Zecken nachgewiesen. Laut einer Medienmitteilung scheint es mindestens so verbreitet zu sein wie das Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)-Virus. Dieses kann Entzündungen von Gehirn und Hirnhäuten verursachen. Das neue ALS-Virus führt zu ähnlichen Symptomen, etwa Kopfschmerzen und Fieber.

Erstmals nachgewiesen wurde es 2017 in China. Damals war eine Anomalie aufgefallen, als mehrere Personen nach einem Zeckenstich zwar diese Symptome aufwiesen, aber keine Antikörper gegen das FSME-Virus oder dessen Erbmaterial. Stattdessen fanden die Forschenden das bis dahin unbekannte RNA-Virus Alongshan.

Nun haben auch Schweizer Forschende in Zeckenproben, die 2020 und 2021 in verschiedenen Regionen der Schweiz gesammelt wurden, die vollständige Gensequenz von ALS-Viren belegt. „Erstaunt hat uns, dass wir ALS-Viren in den Zeckenproben weit häufiger nachweisen konnten als FSME-Viren“, wird der Direktor des Virologischen Instituts, Cornel Fraefel, zitiert. Es ist also möglich, dass dieses neue Virus für die öffentliche Gesundheit in der Schweiz längst eine Rolle spielt.

Um die epidemiologische Situation abzuklären, entwickelt das UZH-Team zusammen mit dem Nationalen Referenzlabor für durch Zecken übertragene Krankheiten und dem Labor Spiez einen Diagnosetest. Damit wollen sie im kommenden Jahr die epidemiologische Situation von ALS-Viren in der Schweiz untersuchen. mm

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