Urin macht Beton formbar und robuster

11. Mai 2020 09:47

Paris - Mit Harnstoff aus dem Urin von Astronauten könnte auf dem Mond ein extrem formbarer und stabiler Beton hergestellt werden. Das würde bei der Fertigung von Baumaterial für eine Mondbasis helfen. Auch Anwendungen auf der Erde wären möglich.

Forschungsarbeiten der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) haben gezeigt, dass der Weichmacher Harnstoff (Urea) den Wasserbedarf für Beton reduziert. Das würde die Menge an Ressourcen verringern, die für den Bau einer Mondbasis von der Erde zum Mond transportiert werden müssten. Zudem eröffnet dies auch auf der Erde Perspektiven für die 3D-Herstellung von besonders robustem Mörtel. 

Die Forschenden fanden heraus, dass die Zugabe von Harnstoff zur Geopolymer-Mischung aus Mondsand, einem betonähnlichen Baumaterial, besser als andere übliche Weichmacher funktioniert. Dank künftiger Mondbewohner könnten die 1,5 Liter flüssiger Ausscheidungen, die ein Mensch täglich produziert, zu einem vielversprechenden Nebenprodukt für die Weltraumforschung werden, heisst es in einer Medienmitteilung der ESA.

„Die Wissenschaftsgemeinde ist besonders beeindruckt von der hohen Festigkeit dieser neuen Rezeptur im Vergleich zu anderen Materialien, aber auch von der Tatsache, dass wir das verwenden konnten, was sich bereits auf dem Mond befindet“, erklärt die Initiatorin und Mitautorin dieser Studie, Marlies Arnhof vom Advanced Concepts Team der ESA. Die Proben hielten Temperaturen von 114 bis -80 Grad Celsius stand.

Die enge Zusammenarbeit zwischen ESA-Forschenden in den Niederlanden und Universitäten in Norwegen, Spanien und Italien im Rahmen der Ariadna-Initiative der ESA habe wertvolle Ergebnisse nicht nur für die Weltraumforschung erbracht, sondern auch für Technologieanwendungen auf der Erde, erklärt die Co-Autorin und Professorin am norwegischen Østfold University College, Shima Pilehvar.

„Die Industrie könnte von verfeinerten Rezepturen für feuer- und hitzebeständige anorganische Polymere profitieren, die sich für die additive Herstellung eignen“. Auf der Erde wird Harnstoff industriell hergestellt. Chemie- und Medizinunternehmen setzen ihn als Dünger und Rohstoff ein, etwa in besonders feuchtigkeitsspendenden Cremes. mm

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