Unternehmen könnten Milizamt erleichtern

08. November 2021 12:49

Chur - Das Milizsystem ist in der Wirtschaft weniger breit verankert als angenommen. Dies ist eines der Ergebnisse einer Studie der Fachhochschule Graubünden. Sie untersuchte erstmals die Vereinbarkeit von Beruf und Milizengagement.

Das Projekt PoliWork der Fachhochschule (FH) Graubünden untersucht, welche Rolle Unternehmen für die Entscheidung spielen, ob Mitarbeitende ein politisches Milizamt übernehmen oder nicht. Hintergrund ist, dass die Schweizer Gemeinden grosse Mühe haben, ihre politischen Ämter mit geeigneten Kandidierenden zu besetzen.

Die Studie basiert auf einer schweizweiten Befragung von fast 1900 Miliztätigen und einer repräsentativen Erhebung bei 500 Unternehmen. Laut einer Medienmitteilung hätten besonders Gemeindeexekutiv- und Kantonslegislativmitglieder deutlich gemacht, dass es eine hohe Herausforderung sei, das politische Engagement in Ämtern mit dem Beruf zu vereinbaren.

Zwar zeigten sich die politischen Miliztätigen mit der Unterstützung der Arbeitgeber „auffallend zufrieden“. Dennoch fordern sie generell ein stärkeres Engagement der Wirtschaft und Arbeitgeber in der Förderung des politischen Milizsystems. 70 Prozent der Unternehmen sehen hier jedoch keinen Handlungsbedarf. Nur knapp 9 Prozent der befragten Unternehmen nehmen eine aktive Förderrolle ein.

Ein Grossteil der befragten Unternehmen, nämlich 46 Prozent, hat keine Mitarbeitenden, die ein politisches Milizamt ausüben. Wie es in der Mitteilung heisst, widerspreche dies dem Bild eines breit verankerten Milizsystems. Eine Online-Toolbox mit Praxisbeispielen zeigt Unternehmen auf, wo sie in der Förderung des politischen Engagements ihrer Mitarbeitenden im Schweizer Vergleich stehen.

Auf Basis ihrer Daten hat die FH Graubünden ausserdem Massnahmen entwickelt, die das politische Engagement erhöhen könnten, etwa durch flexible Arbeitszeiten und eine höhere Wertschätzung der Milliztätigkeit durch die Unternehmensleitung. mm

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