Universität Bern weist Menschenversagen beim CO2-Anstieg nach

21. August 2020 12:42

Bern - Eine an der Universität Bern entwickelte neue Messtechnologie zur Klimaanalyse anhand des Antarktiseises weist den von Menschen verursachten CO2-Anstieg als einzigartig aus. Frühere Warmphasen zeigten deutlich weniger CO2.

Der heutige vom Menschen gemachte CO2-Anstieg ist in der Klimageschichte der Erde einzigartig. Zu diesem Schluss kommt die Studie, die ein europäisches Forschungsteam unter der Leitung der Universität Bern erarbeitet hat, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Denn der CO2-Anstieg in unserer Zeit ist im Vergleich zu den natürlich bedingten Anstiegen in abwechselnden Kalt- und Warmphasen des Erdklimas während der vergangenen 350‘000 bis 450‘000 Jahre mehr als sechsmal grösser und fast zehnmal schneller als die damaligen Sprünge. Durch eine neue Messtechnologie haben die Forschenden vermocht, mit Hilfe von Eisbohrkernen aus der Antarktis einen detaillierten Einblick in das Klimageschehen vergangener Jahrtausende zu bekommen. Durch die hochauflösenden Messungen konnte die im Eis verlässlich gespeicherte Information über die jeweilige Konzentration von CO2 ausgelesen werden. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal „Science" publiziert.

„Bisher hatte man angenommen, dass das Klima während natürlichen Warmzeiten sehr stabil ist und es zu keinen schnellen CO2-Änderungen in der Atmosphäre kam“, erklärt Christoph Nehrbass-Ahles, der Erstautor der Studie, der an der Universität Bern doktorierte und seit kurzem an der Universität Cambridge forscht. Jetzt wisse man, dass es auch in Warmzeiten zu CO2-Anstiegen kam. „Diese natürlichen Sprünge der CO2-Konzentration der Atmosphäre geschahen fast zehnmal langsamer als der menschgemachte Anstieg über das letzte Jahrzehnt“, betont Nehrbass-Ahles. Der Vergleich des CO2-Anteils der Luft von damals und heute zeige, dass der frühere Anstieg insgesamt dem entspricht, den die Menschheit gegenwärtig im Zeitraum von sechs Jahren verursacht.

„Das mag auf den ersten Blick als nicht sehr bedeutend erscheinen“, sagt der Berner Klimaforscher Thomas Stocker, Mitautor der Studie. „Mit Blick auf die Mengen von CO2, die wir noch ausstossen dürfen, um das in Paris beschlossene 1,5 Grad-Klimaziel nicht zu verlieren, sind solche Erhöhungen aber durchaus relevant.“

Die Studie wurde ermöglicht durch langjährige Beiträge des Schweizerischen Nationalfonds und der Europäischen Kommission im Rahmen des European Project for Ice Coring in Antarctica (EPICA). gba

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