Ukrainekrieg halbiert womöglich Wachstum des Welthandels

12. April 2022 14:06

Genf - Die Welthandelsorganisation hat in einem Model zur Simulation der Weltwirtschaft die Folgen des Krieges in der Ukraine auf den globalen Handel untersucht. Demnach könnte sich das zunächst vorausgesagte Wachstum von 4,7 Prozent auf 2,4 Prozent halbieren.

Das noch im Oktober 2021 vorhergesagte Wachstum im Welthandel von 4,7 Prozent könnte sich fast halbieren, auf 2,4 bis 3 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die Welthandelsorganisation (WTO) laut einer Medienmitteilung in einer Simulation der Weltwirtschaft unter dem Einfluss des Krieges in der Ukraine.

Im laufenden Jahr könnte die Krise zwischen Russland und der Ukraine das weltweite Bruttoinlandprodukt (BIP) um 0,7 bis 1,3 Prozentpunkte senken. Langfristig befürchtet die Organisation mit Sitz in Genf einen Rückgang der weltweiten Wirtschaftsleistung um 5 Prozent.

Zwar fällt auf Russland und die Ukraine nur für ein kleiner Teil des Welthandels. Allerdings sind beide Länder Lieferanten lebenswichtiger Güter, insbesondere von Lebensmitteln und Energie. 2019 stellten sie 25 Prozent der Exporte von Weizen weltweit sowie 45 Prozent aller Sonnenblumenprodukte. Allein auf Russland fielen 9,4 Prozent des Welthandels mit Brennstoffen, davon waren 20 Prozent Erdgas. Die Automobilindustrie, die sich gerade von einem Mangel an Halbleitern erholt, hängt zudem stark von den Lieferungen der Metalle Palladium und Rhodium aus Russland ab. 

Europa als Hauptziel der russischen und ukrainischen Exporte wird laut WTO-Bericht die Hauptlast der wirtschaftlichen Folgen zu spüren bekommen. „Weniger Lieferungen von Getreide und anderen Lebensmitteln werden auch die Preise für landwirtschaftliche Güter in die Höhe treiben, mit negativen Folgen für die Ernährungssicherheit in ärmeren Regionen.“ 

Besonders stark betroffen sind aber auch Länder südlich der Sahara, die mit einem Preisanstieg von bis zu 85 Prozent für Weizen rechnen müssen. Afrika und der Nahe Osten beziehen mehr als 50 Prozent ihres Getreides aus der Ukraine und Russland.

Diese steigenden Kosten kommen zu einer Zeit, in der die Preise aufgrund der Corona-Pandemie und anderer Faktoren bereits historisch hoch sind. Wichtig ist daher laut WTO-Bericht, auf der Grundlage eines regelbasierten multilateralen Handelssystems die Märkte offen zu halten und sicherzustellen, dass wirtschaftliche Möglichkeiten für alle Länder offen bleiben. ko

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