Über 160 Subventionen können der Biodiversität schaden

25. August 2020 12:38

Birmensdorf ZH - Die Schweiz hat sich verpflichtet, biodiversitätsschädigende Subventionen bis 2020 anzupassen oder abzuschaffen. Trotzdem gewährt sie bis heute mehr als 160 Subventionen, die zum Verlust von Lebensräumen und Artenvielfalt führen, wie Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft nachweisen.

Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hat gemeinsam mit dem Forum Biodiversität der Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT) in einer gemeinsamen Studie über 160 Subventionen identifiziert, die die Biodiversität in der Schweiz beeinträchtigen. Diese Subventionen von Bund, Kantonen und Gemeinden seien nicht nur ökologisch fragwürdig, sondern auch ökonomisch ineffizient, so die Forschenden. Sie förderten politische Ziele, verursachten jedoch Schäden, für deren Behebung es oft weiterer öffentlicher Mittel bedarf, einschliesslich der Kosten für die Förderung von Biodiversität.

Diese Kosten nähmen stetig zu, so die WSL in einer Medienmitteilung. „In 30 Jahren, so schreibt das Bundesamt für Umwelt BAFU, dürften die Verluste der Ökosystemleistungen wie Schwund fruchtbarer Böden oder Abnahme sauberen Wassers rund vier Prozent des BIP betragen.“

Die schädlichen Subventionen betreffen vor allem die Politikfelder Verkehr, Landwirtschaft, Energieproduktion und Siedlungsentwicklung. „Die Biodiversitätskrise könnte entschärft werden, würden nur Subventionen gewährt, wenn sie die Biodiversität nachweisbar nicht beeinträchtigen“, sagt Irmi Seidl von der WSL.

Genau dazu hatte sich die Schweiz bis 2020 verpflichtet. Mit ihrer Studie fordern die Forschenden die politischen Entscheidungsträger und -trägerinnen in Bund, Kantonen und Gemeinden erneut dazu auf. Ihr Vorschlag: Bei der regelmässigen Überprüfung von Subventionen gemäss Subventionsgesetz soll Biodiversität neu als Kriterium aufgenommen werden.

Weiter solle die Zweckbindung der Verkehrsabgaben aufgehoben oder mindestens ein Teil der Mittel abgeschöpft werden. Die landwirtschaftlichen Basisbeiträge sollen an biodiversitätsfördernde Auflagen geknüpft werden. Fördergelder für Kleinwasserkraftwerke seien zielführender als bisher einzusetzen und der Steuerabzug für den Mineralölverbrauch sei nur in Ausnahmefällen zu gewähren. Der Steuerabzug bei Unternutzung von Wohneigentum solle abgeschafft werden. Damit könnte der Flächenbedarf und somit der Druck auf weiteres Einzonen und Überbauen zugunsten naturnaher Lebensräume sinken.

Die WSL ist ein Forschungsinstitut des Bundes. Die vorliegende Studie wurde von Pro Natura, BirdLife Schweiz und der Stiftung Temperatio unterstützt. mm

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