Städte im Klimawandel brauchen Grünflächen

29. Juni 2020 06:20

Immer neue Klimaanalysen machen deutlich, was der gesunde Menschenverstand längst weiss: Städte brauchen Bäume, Gewässer und unversiegelte Flächen. Politiker und Behörden sollten endlich handeln, schreibt Katharina Conradin.

von Katharina Conradin

Der Klimawandel ist Realität – und ebenso die Tatsache, dass es deshalb in den meisten Städten im Sommer immer heisser wird. Sommerliche Hitzewellen mit Temperaturen von fast 40 Grad Celsius sind zur Regelmässigkeit geworden. 

Die meisten Städte sind mittlerweile in Bezug auf die Anpassung an den Klimawandel aktiv geworden. Eine Strategie, die dabei heraussticht, ist die Erstellung einer Klimaanalyse. Mittels hochaufgelöster Messungen werden aktuelle „Hotspots“ abgebildet, Kaltluftströme visualisiert und berechnet, wo es in Zukunft noch wärmer werden wird. 
Behörden benutzen diese Klimaanalysen als Handlungslegitimation, denn sie stellen – für alle sichtbar – dar, was wir längst wissen: Es ist heiss in den Städten. Die Hitze staut sich in den dicht bebauten, versiegelten Flächen im Zentrum. Der Luftaustausch ist beschränkt, wo dichte Bauten ihn abriegeln. Gewässer kühlen tagsüber und wirken in der Nacht temperaturregulierend. 

Je länger man also über diese Analysen nachdenkt, desto offenkundiger wird: Die zusätzlichen Erkenntnisse durch diese aufwändigen „Rechenspiele“ sind marginal. Wer selbst einmal an einem heissen Sommertag über den neu gestalteten Sechseläutenplatz läuft, braucht kein Messgerät, um festzustellen, dass es dort unerträglich heiss ist. Wer schon einmal einen Abendspaziergang entlang des Seebeckens gemacht hat, weiss um die erfrischende Wirkung des Windes, der vom See her weht. 

Auch die Massnahmen liegen auf der Hand: Kühl(er) ist es, wo beschattet wird, wo es grün ist wird, wo für genügend Luftaustausch gesorgt wird und wo versiegelte Oberflächen aufgebrochen werden.

Die Zeit drängt. So sehr, dass wir sie nicht mit noch weiteren Analysen und Recherchen vergeuden sollten. Und so sind diese Klimaanalysen eine Krux – und vielleicht doch ein Lösungsbeitrag: Sie sind die Krux, weil wir, um endlich aktiv zu werden, schon längst keine zusätzlichen Daten mehr brauchen. Und sie sind vielleicht doch Teil der Lösung, weil sie, den Parlamenten, StadtplanerInnen und Behörden in nicht zu übertreffender Deutlichkeit aufzeigen: Handelt! Jetzt!

Katharina Conradin ist promovierte Geographin, Beraterin bei der seecon gmbh und seit 2014 Präsidentin der internationalen Alpenschutzkommission CIPRA.

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