Sonnenstrom wird unterirdisch zu Methan

23. Juni 2021 12:08

Dübendorf ZH - Schweizer und österreichische Fachleute arbeiten gemeinsam an der Weiterentwicklung einer neuartigen Speicherung von überschüssigem grünem Strom für die Wintermonate. Dieser wird zu Wasserstoff umgewandelt und mit CO2 unterirdisch eingelagert. Heraus kommt Methan.

Energieunternehmen und Forschungseinrichtungen der Schweiz und Österreichs haben sich zusammengeschlossen, um die patentierte sogenannte Underground Sun Conversion-Technologie des österreichischen Energieunternehmens RAG Austria AG weiterzuentwickeln. Auf Schweizer Seite sind die Eidgenössische Materialforschungs- und Prüfungsanstalt (Empa), die Universität Bern, die OST – Ostschweizer Fachhochschule (OST) und das Energieunternehmen Energie 360° beteiligt.

Die Forschung an saisonalen Speicher- und Umwandlungstechnologien von Strom in Gas (Power-to-Gas) läuft vielerorts auf Hochtouren, um die winterliche Unterversorgung mit erneuerbaren Energien zu kompensieren. Bei diesem auf zwei Jahre angelegten Forschungsprojekt sollen laut einer Medienmitteilung der Empa die technischen und wirtschaftlichen Potenziale der Underground Sun Conversion ausgelotet werden.

Um Sonne im Boden speichern zu können, wird Solarstrom zunächst in Wasserstoff umgewandelt. Dieser wird dann zusammen mit Kohlendioxid in natürlichen Untergrundspeichern in über 1000 Metern Tiefe eingelagert. Dafür bieten sich etwa Erdgaslagerstätten an. Natürlich vorkommende urzeitliche Mikroorganismen, die Archaeen, verwandeln das Gemisch über ihren Stoffwechsel in erneuerbares Methan. „Auch bei einem grossen Anstieg der Methangasproduktion bräuchte es dank der natürlichen Speicher im Erdinnern keinen Ausbau der oberirdischen Speicherinfrastruktur“, wird Martin Rüdisüli von der Empa-Abteilung Urban Energy Systems in der Mitteilung zitiert.

Im Rahmen dieses vom EU-Finanzierungsinstrument ERA-Net und hierzulande vom Bundesamt für Energie geförderten Projekts wird die Empa eine Perspektive auf das gesamte Energiesystem entwickeln: „Wir schauen uns an, wann und wo Überschussstrom anfällt, wo geeignete CO2-Quellen wären und wo letztlich auch die Nachfrage nach erneuerbarem Erdgas vorhanden ist“, erklärt Rüdisüli. Die geologischen Voraussetzungen werden von der Universität Bern evaluiert, die ökonomischen Randbedingungen von der OST erarbeitet. mm

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