SIX-Chef setzt auf Innovation

31. Januar 2019 11:55

Zürich - SIX-Chef Jos Dijsselhof will die erste digitale Börse schaffen. Ausserdem will er erreichen, dass die SIX alle Bankenautomaten in der Schweiz betreibt. An einer Einigung mit der EU bis zum Sommer hat der Börsenchef Zweifel.

Die SIX will den digitalen Börsenhandel auf die Blockchain bringen. Damit soll etwa ein Käufer bereits in wenigen Sekunden Eigentümer einer Aktie werden können. Heute dauert dieser Prozess noch zwei Tage. In einem Interview mit der „Handelszeitung“ gibt sich SIX-Chef Jos Dijsselhof zuversichtlich, dass die SIX als die erste Börsenbetreiberin weltweit eine digitale Börse lancieren wird. „Es gibt andere, die bloss den Handel auf die Blockchain bringen wollen. Aber da sind die restlichen Prozesse noch immer separat“, erklärt er. Die SIX dagegen plane eine „komplett neue Börse auf der Blockchain mit vollständig integriertem Handel, Abwicklung und Verwahrung von digitalen Vermögenswerten“. Erste Tests sollen bereits im zweiten Halbjahr 2019 durchgeführt werden.

Dijsselhof war unter anderem lange in Asien tätig. Dort setzten Unternehmen auf Tempo, während in der Schweiz die Angst davor, dass etwas schief läuft, gross sei. „Ich möchte aber einen Mittelweg zwischen Schweizer Qualität und asiatischem Tempo finden“, so Dijsselhof. Ziel sei es, dass die „SIX als innovatives und agiles Technologie-Infrastruktur-Unternehmen“ gesehen wird.

Dijsselhof bringt die SIX aber auch in andere Bereichen voran. So will er erreichen, dass die SIX das Management aller Bankautomaten in der Schweiz im Auftrag der Finanzinstitute übernimmt. „Wenn Sie in ein kleines Dorf in den Schweizer Bergen gehen, stehen dort drei Bankomaten von drei verschiedenen Banken“, so Dijsselhof. „Dabei sollte dort eine Cash-Maschine stehen und wenn man die Karte einführt, sieht man die Oberfläche der Zürcher Kantonalbank, UBS oder von welcher Bank auch immer.“ Dies würde laut dem SIX-Chef beispielsweise die Füllung der Bankautomaten mit Bargeld erleichtern und auch für den Kunden von Nutzen sein.

Dijsselhof äussert sich im Interview auch bezüglich der Börsenäquivalenz. Die EU hatte im Dezember die Frist für die Äquivalenz für die Schweizer Börse zwar nochmals um ein halbes Jahr verlängert. Die Äquivalenz wird dabei aber an einen Fortschritt beim institutionellen Rahmenabkommen gekoppelt. Dijsselhof zweifelt daran, dass es da in sechs Monaten einen grossen Fortschritt geben wird. Und der vom Bundesrat für diesen Fall vorgesehene Plan B sei nur kurzfristig hilfreich. ssp

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