Schweizer sorgen immer schlechter fürs Alter vor

12. September 2019 10:55

St.Gallen - Schweizer Berufstätige bereiten sich finanziell immer unzureichender auf ihre dritte Lebensphase vor. Das Raiffeisen Vorsorgebarometer 2019 weist auf diese Versorgungslücke hin.

Immer weniger Schweizerinnen und Schweizer werden ihren Lebensstandard im Alter halten können. Das ist das Ergebnis des Raiffeisen Vorsorgebarometers 2019. Demnach büsst das Drei-Säulen-System im Vergleich zum Vorjahr an Vertrauen ein. Dafür verantwortlich sei unter anderem der Vertrauensverlust in die Pensionskassen: „Immer mehr Menschen in der Schweiz sind der Ansicht, dass Staat und Arbeitgeber für die Altersvorsorge verantwortlich sind. Vor allem jüngere Menschen sehen den Staat in der Pflicht", wird Tashi Gumabatshang, Leiter des Raiffeisen Kompetenzzentraums Vermögens- und Vorsorgeberatung, in einer Medienmitteilung zitiert. Neben der staatlichen und der beruflichen Vorsorge liege der persönliche Spielraum zur Verbesserung der Situation im Alter jedoch in der freiwilligen Selbstvorsorge. 

Gleichzeitig steigen die Ansprüche für die dritte Lebensphase. Ein Drittel der Bevölkerung plant eine Frühpensionierung und rechnet mit einem höheren Geldbedarf. Zwar hat die Säule 3a – die gebundene Vorsorge für AHV-pflichtige Erwerbstätige – an Beliebtheit gewonnen. Dennoch sorgen immer noch rund ein Viertel der Schweizer Bevölkerung nicht privat vor. 

Das Vorsorgewissen verharrt gegenüber dem Vorjahr auf tiefem Niveau. „Dies dürfte mit ein Grund dafür sein, dass die drohenden Vorsorgelücken unterschätzt oder nicht erkannt werden“, heisst es in der Mitteilung. In der zweiten Säule – der beruflichen Vorsorge – bestehen die grössten Wissenslücken. Am ehesten befassen sich Selbständige mit der Vorsorge.

Daraus ergebe sich Handlungsbedarf für Politik und Wirtschaft, meint Daniel Greber, Leiter des Zentrums für Risk & Insurance der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW): „Das Drei-Säulen-System sollte überdacht und an die heutige Gesellschaftsstruktur und Bedürfnisse angepasst werden. Der Generationenvertrag wird heute laut Vorsorgebarometer von einer Mehrheit nicht mehr getragen. Stattdessen wird eine Stärkung der dritten Säule gewünscht." 

Die ZHAW betreut den wissenschaftlichen Teil des Vorsorgebarometers von Raiffeisen. mm

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