Schweiz verliert an Standortattraktivität für Medtechs

26. Mai 2021 11:27

Bern - Die Schweizer Medtech-Branche ist von der EU auf den Status eines Drittstaats zurückgestuft worden. Dies verursacht neue Kosten für Medtech-Firmen. Es leidet aber vor allem die Standortattraktivität der Schweiz, meint Beat Vonlanthen, Präsident des Verbands Swiss Medtech.

Am 26. Mai ist eine neue Medizinprodukteverordnung in der EU in Kraft getreten. Gleichzeitig läuft das Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung von Medizinprodukten zwischen der Schweiz und der EU aus. Die Aktualisierung dieses Abkommens wird von der EU an Fortschritte beim institutionellen Abkommen geknüpft. Daher konnte es bis jetzt nicht abgeschlossen werden. Die Schweizer Medtech-Branche ist daher von der EU auf den Status eines Drittstaats zurückgestuft worden.

Für Medtech-Unternehmen bedeutet dies unter anderem, dass sie ab sofort erhöhte Anforderungen für den Export ihrer Medizinprodukte in die EU erfüllen müssen. Die Branche habe sich „mit grossem Einsatz so gut wie möglich“ auf diesen Tag vorbereitet, schreibt der Branchenverband Swiss Medtech in einer Mitteilung. Unter anderem wurde ein Bevollmächtigter im EU-Raum benannt, der stellvertretend Herstelleraufgaben inklusive Produktehaftung sowie die entsprechende Neubeschriftung der Produkte übernimmt.

Den Angaben von Swiss Medtech zufolge kostet der Administrationsaufwand zur Erfüllung der Drittstaat-Anforderungen zunächst rund 114 Millionen Franken für die Schweizer Medtech-Branche. Hinzu kommen jährlich wiederkehrende Kosten in der Höhe von 75 Millionen Franken. Diese Kosten entsprechen laut Swiss Medtech 2 Prozent beziehungsweise 1,4 Prozent des Exportvolumens von der Schweiz in die EU.

„Über die gesamte Schweizer Medtech-Branche betrachtet, sind die reinen Administrationskosten verkraftbar“, meint Beat Vonlanthen, Präsident von Swiss Medtech. „Uns sorgen vielmehr der Verlust der Standortattraktivität und die damit verbundenen, negativen Konsequenzen“, betont er in der Mitteilung. So würde die Schweiz für aussereuropäische Firmen, die ihren Hauptsitz in Europa stationieren wollen, an Attraktivität gegenüber den EU-Ländern verlieren. Ausserdem bestehe die Gefahr, dass Schweizer Start-ups ihren Sitz vermehrt in der EU ansiedeln könnten, anstatt in der Schweiz. „Wer also lediglich feststellt, die Administrationskosten seien verkraftbar, verkennt völlig, wie hart der internationale Konkurrenzkampf ist“, so Vonlanthen. ssp

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