Schweiz soll zum Hub für neutrale KI-Forschung werden

24. Mai 2019 14:45

Zürich - Ein politisch neutraler internationaler Hub für Grundlageforschung im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) soll die Entwicklung der Technologie transparent und fair machen. Solch einen Hub fordern zwei Experten von der ETH Zürich. Als möglichen Standort schlagen sie die Schweiz vor.

Laut Sophie-Charlotte Fischer, Doktorandin am Center for Security Studies (CSS) an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH), und Andreas Wenger, Professor für Internationale und Schweizer Sicherheitspolitik an der ETH Zürich, geht die KI-Forschung heute in die falsche Richtung. So werde die Forschung in diesem Bereich von wenigen grossen Unternehmen vorangetrieben. Zugleich habe die internationale Politik einen Wettlauf um KI eingesetzt.

Dies wirke sich einerseits negativ auf die Konkurrenzfähigkeit öffentlicher Forschungsinstitutionen sowie kleinerer Firmen aus. Ausserdem erhöhe dieser Wettlauf zwischen grossen Mächten die Risiken, die mit dem Einsatz unausgereifter KI-Technologien einhergehen. Laut Fischer und Wenger sei es daher notwendig, „vorausschauend effektive Kanäle für internationale Zusammenarbeit zu schaffen, um die mittel- und langfristige Forschung und Nutzung von KI transparent und fair zu gestalten“.

In diesem Zusammenhang schlagen Fischer und Wenger die Schaffung eines politisch neutralen internationalen Hubs für KI-Grundlagenforschung vor. Diese soll einer „verantwortungsvollen, integrativen und friedlichen Entwicklung und Nutzung von KI“ verpflichtet sein. Ziel sei es, das Potenzial der KI einem möglichst grossen Teil der Weltbevölkerung zugänglich zu machen.

Der KI-Hub soll dabei vier zentrale Funktionen erfüllen: Er soll erstens einen attraktiven Arbeitsplatz für die besten KI-Talente weltweit bieten. Zweitens soll er als Plattform dienen, um mit KI verbundene technische und gesellschaftliche Risiken interdisziplinär zu erforschen. Drittens soll er einen Beitrag zur Gestaltung von KI-Normen leisten. Viertens soll die Initiative als Aus- und Weiterbildungszentrum für KI-Forscher dienen.

Fischer und Wenger sehen die Schweiz mit ihrer „politischen Neutralität, Stabilität und Eigenständigkeit“ als ein „glaubwürdiges“ Gastgeberland für solch einen Hub. Die Schweiz verfüge auch über „ein dynamisches KI-Ökosystem, das exzellente technische Universitäten, eine lebendige Start-up-Szene und führende Technologieunternehmen“ umfasst. Auf internationaler Ebene biete sich der Schweiz die Chance, „sich als führender globaler Forschungs- und Innovationsstandort, als wichtiger Impulsgeber der internationalen Zusammenarbeit sowie als Brückenbauer an den Schnittstellen zwischen Friedenspolitik und Technologie-Aussenpolitik zu positionieren“. ssp

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