Schweiz ist familienpolitisches Schlusslicht in Europa

14. Juni 2019 14:01

New York - Die Schweiz ist das familienunfreudlichste Land Europas. Das geht aus einem Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef hervor. Weltweit stehen allerdings reiche Länder wie die USA, Australien und Neuseeland noch schlechter da.

Kein Land in Europa tut so wenig für seine Familien und seine Kinder wie die Schweiz. Das geht aus einem Bericht hervor, den das Forschungsbüro der Unicef vorgelegt hat. Die Unicef-Forscher haben sich für ihre Bewertung die Länge des bezahlten Mutterschaftsurlaubs, des bezahlten Vaterschaftsurlaubs sowie den Anteil der fremdbetreuten Kinder unter und über 3 Jahren angeschaut. 

Mit acht Wochen Mutterschaftsurlaub in Vollzeitäquivalenten ist die Schweiz am knausrigsten, Irland folgt mit neun Wochen, die meisten Länder gewähren deutlich mehr. An der Spitze stehen osteuropäische Länder wie Estland mit 85 Wochen, Ungarn mit 72 Wochen und Bulgarien mit 65 Wochen. Wie die Schweiz kennt eine Reihe von Ländern wie Italien und die Niederlande keinen Vaterschaftsurlaub. Portugal ist mit zwölf Wochen am grosszügigsten, gefolgt von Luxemburg und Schweden mit zehn Wochen. Mit einem Anteil der fremdbetreuten Kinder unter 3 Jahren von 30 Prozent liegt die Schweiz in Europa im Mittelfeld. Die Slowakei ist mit gerade 1 Prozent Schlusslicht, Island mit 65 Prozent Spitzenreiter. Bei der Fremdbetreuung von Kindern über 3 Jahren gehört die Schweiz mit 66 Prozent zu den Nachzüglern. Island liegt mit 99 Prozent an der Spitze, gefolgt von Schweden mit 97 Prozent und Dänemark mit 96 Prozent.

Reiche Länder ausserhalb Europas tun dagegen oft deutlich weniger für ihre Familien. In den USA und Neuseeland gibt es weder bezahlten Mutterschafts- noch Vaterschaftsurlaub. Auch Australien und Israel schneiden schlechter ab als die Schweiz.

Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore appelliert an die reichen Länder, mehr für ihre Familien und Kinder zu tun. „Es gibt keine wichtigere Zeit für die Entwicklung des Gehirns von Kindern – und damit ihrer Zukunft – als die frühesten Jahres des Lebens“, wird sie in einer Mitteilung ihrer Organisation zum Bericht zitiert. „Wir brauchen Regierungen, welche die Eltern bei der Schaffung einer fördernden Umgebung für ihre kleinen Kinder unterstützen. Und wir brauchen die Unterstützung und den Einfluss des Privatsektors, um das zu erreichen.“ stk

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