Schweiz bleibt von der EU abhängig

08. Juli 2021 11:18

Zürich - Die Exportabhängigkeit der Schweiz von der EU wird in den kommenden Jahrzehnten zwar abnehmen, bleibt aber bedeutend. Die Abhängigkeit in den Bereichen Arbeitsmarkt und Energieversorgung nimmt dagegen zu. Zu diesem Schluss kommt die UBS in einem Bericht.

Nach dem Abbruch der Verhandlungen über das Rahmenabkommen mit der EU hat die UBS untersucht, inwiefern die Schweiz in den kommenden Jahren von der EU abhängig bleiben dürfte. In ihrem neuen UBS Outlook kommt die Bank nun zum Schluss, dass eine enge Beziehung zur EU zentral bleibt, um wichtige Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte im Aussenhandel, auf dem Arbeitsmarkt sowie in der Energiepolitik zu meistern.

Im Aussenhandel dürfte die Abhängigkeit der Schweiz von der EU in den kommenden Jahrzehnten zwar abnehmen. Dies hänge mit der fortschreitenden Globalisierung und den dadurch entstehenden neuen Absatzmärkten zusammen. Dennoch dürfte die EU in den nächsten Jahrzehnten weiterhin die wichtigste Handelspartnerin der Schweiz bleiben, so die UBS.

Im Bereich Arbeitsmarkt dürfte die Abhängigkeit von der EU weiter zunehmen. Das erklärt UBS mit der Alterung der Gesellschaft, die eine grosse Herausforderung für die Schweiz darstelle. „Es werden 2030 bis zu 225‘000 und 2040 bis zu 450‘000 (vollzeitäquivalente) Erwerbstätige fehlen. Die Schweizer Wirtschaft wird diese Herausforderung kaum ohne Arbeitskräfte aus der EU meistern können und ist auf einen möglichst guten Zugang zum EU-Arbeitsmarkt angewiesen“, wird UBS-Ökonom Alessandro Bee zitiert.

Auch im Energiemarkt dürfte die Abhängigkeit von der EU weiter zunehmen. Hier spielen die Elektrifizierung der Mobilität, der Atomausstieg und das Bekenntnis zum Netto-Null-Ziel für Treibhausgasemissionen eine wichtige Rolle. Laut der UBS dürfte es „einer der grössten Herausforderungen für die Schweiz werden“, künftig genug Strom zu produzieren, um die steigende Nachfrage zu decken. Das Land sei dabei auf Stromimporte aus der EU angewiesen.

Weil die bereits bestehenden bilateralen Verträge erstmal in Kraft bleiben, seien die unmittelbaren Auswirkungen des Verhandlungsabbruchs auf die Schweizer Wirtschaft zunächst gering, so die Bank. Die UBS-Ökonomen rechnen 2021 mit einem Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent und 2022 mit 3 Prozent. ssp

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