Schweickardt erwartet Pleiten in der Strombranche

29. April 2016 11:23

Zürich - Alpiq-Gründer Hans E. Schweickardt erwartet, dass in der europäischen Strombranche einige Anbieter die Bilanz deponieren müssen. Der Grosshandelspreis für Strom könnte noch weiter sinken, sagt er in einem Interview.

Hans E. Schweickardt rechnet in der europäischen Strombranche mit einer Pleitewelle. „Ich mache mir grosse Sorgen, dass über kurz oder lang einer der grossen Konzerne seine Bilanz deponieren wird – und hoffe, dass dann kein Dominoeffekt eintreten wird“, sagt er in einem Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“. Ob dazu auch Schweizer Unternehmen gehören, lässt er offen. „Das will ich nicht sagen, aber es wird kommen." Grosse Unternehmen in Europa bewerteten ihre Anlagen auf der Grundlage eines Stromhandelspreises von 35 Euro pro Megawattstunde. Tatsächlich lägen sie aber bei 20 Euro. Ein Absinken auf 15 oder gar 12 Euro sei möglich. „Das Blutbad können Sie sich vorstellen.“ Solange die Gestehungskosten über den Marktpreisen lägen, verlören die Stromunternehmen mit der Stromproduktion Geld, sagte der Gründer und ehemalige Verwaltungsratspräsident von Alpiq.

Schweickardt gibt zu, dass er den rasanten Verfall der Strompreise bei der Gründung von Alpiq nicht vorhergesehen habe. Auch den Trend hin zu dezentraler Energieproduktion habe er nicht gesehen. Heute gehe er davon aus, dass die Zukunft dezentral sei. „Dabei setze ich jedoch voraus, dass die Speichertechnologie enorme Fortschritte macht.“ Jedes Gebäude produziere dann selber Strom. Die Strominfrastruktur werde umgekrempelt, der Transport von Strom über weite Strecken weniger wichtig. Die Schweiz stehe damit vor einem Problem: „Was geschieht mit der Wasserkraft?“ Die Netznutzer müssten allenfalls über eine Anschlussgebühr die Kraftwerke bezahlen.  stk.

Mehr zu Energie

Aktuelles im Firmenwiki