Sauter warnt vor Klageflut

17. November 2016 11:28

Zürich - Ein obligatorisches Bewerbungsgespräch zur Umsetzung des Inländervorrangs würde zu einer Flut von Klagen führen, warnt Bruno Sauter in einem Interview. Damit stellt sich der Zürcher Chefbeamte gegen den Ständerat. Er bevorzugt die Meldepflicht des Nationalrats.

Bruno Sauter warnt vor den Schwächen des ständerätlichen Modells zur Umsetzung der Massenzuwanderungsinitiative. Ein obligatorisches Bewerbergespräch, in dessen Anschluss der Arbeitgeber schriftlich begründen muss, warum er einen Bewerber nicht nimmt, würde „zu einer Flut von Rechtsfällen führen“, sagt der Chef des Zürcher Amtes für Wirtschaft und Arbeit in einem Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“. „Klagen von Personen, die sich diskriminiert fühlten, wären so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Die Regionalen Arbeitsvermittlungen (RAV) würden den Mehraufwand bewältigen können, „allenfalls mit etwas mehr personellen Ressourcen“, so Sauter. „Aber für die Arbeitgeber wäre das brutal. Nur schon fünf Vorstellungsgespräche zu führen, ist ein grosser Aufwand. Und wenn man eine Absage nicht korrekt begründet, droht noch eine Busse von bis zu 40.000 Franken.“

Sauter bevorzugt die Meldepflicht, wie sie der Nationalrat vorschlägt. „Das ist ein sinnvoller Vorschlag und für uns ohne grossen Zusatzaufwand machbar.“ Mit einer besseren Kenntnis der offenen Stellen könnten die RAV mehr Arbeitslose vermitteln. Heute würden im Kanton Zürich rund 3000 Menschen vermittelt. „Ich gehe davon aus, dass wir diese Zahl mit einer Meldepflicht substanziell erhöhen könnten, vielleicht auf 5000 bis 6000.“ Das wäre bereits die Hälfte der jährlichen Nettozuwanderung in den Kanton. Wenn die Meldepflicht nicht wirkt, kann sich Sauter auch eine Gebühr für die Anstellung eines Ausländers vorstellen.

Derzeit lastet der Zuwanderungsdruck laut Sauter vor allem auf dem Baugewerbe, dem Detailhandel, der Hotellerie und der Gastronomie. Lohndruck gebe es auch bei den Finanzdienstleistungen und der IT-Branche, auch wenn die Zuwanderung nur ein Faktor dabei sei. stk

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