Roche und PSI verhindern Metastasierung

23. August 2019 10:26

Villigen AG/Basel - Forschende des Paul Scherrer Instituts (PSI) und des Basler Pharmakonzerns Roche entwickeln gemeinsam einen Wirkstoff, der die Metastasierung von bestimmten Krebsarten verhindern soll. Dabei sind sie nun einen entscheidenden Schritt vorangekommen.

Metastasen sind für rund 90 Prozent der Todesfälle von Krebspatienten verantwortlich, wie es in einer Medienmitteilung des PSI heisst. Diese Tochtergeschwülste von Krebszellen entstehen, indem sie sich aus dem Tumor heraus im Körper verbreitern. Dazu nutzen die Krebszellen einen Mechanismus, welchen die Forscher des PSI und von Roche nun entschlüsselt haben. Damit haben sie „den Grundstein für die Entwicklung eines Medikaments legen können, das die Metastasierung bestimmter häufiger Krebsarten wie Darmkrebs verhindern könnte“.

Das Lymphgefässsystem stellt einen wichtigen Ausbreitungsweg von Krebszellen dar. Auch weisse Blutzellen wandern durch dieses System, wobei der Chemokin-Rezeptor 7 (CCR7) eine wichtige Rolle spielt. Dieser kann äussere Signale empfangen und diese in das Zellinnere weiterleiten. Dabei bindet ein passendes Signalprotein an den Rezeptor, woraufhin die entsprechende Zelle diesem Signalprotein folgt. Auch Krebszellen nutzen CCR7. „Das passende Signalprotein leitet ihnen den Weg aus dem Tumor heraus und in das Lymphgefässsystem hinein“, so das PSI.

Dessen Forschende haben im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Basler Pharmakonzern die Struktur von CCR7 mit Hilfe der Synchrotron Lichtquelle Schweiz SLS am PSI entschlüsselt. Und damit den Weg zur Entwicklung eines Wirkstoffs gelegt. „Das passende Molekül kann verhindern, dass das Signalprotein an den Rezeptor koppelt und in der Zelle zu einer Reaktion führt“, wird Steffen Brünle in der Mitteilung zitiert. Der PSI-Forscher ist einer der Erstautoren der in „Cell“ veröffentlichten Studie. Ein solches Molekül haben die Wissenschaftler auch bereits identifiziert. „Unsere Experimente zeigen, dass das künstliche Molekül im Inneren der Zelle an den Rezeptor bindet. Dadurch wird verhindert, dass die Kettenreaktion, die zur Zellwanderung führt, gestartet wird“, sagt Brünle.

Forschende von Roche haben dabei ihre Datenbank genutzt, in welcher Millionen von Molekülen deponiert sind. Mittels Computersimulationen haben sie „nach den passenden Wirkstoffen gesucht, die sich zum Blockieren des Signalproteins eignen könnten, und identifizierten fünf Substanzen als mögliche Kandidaten zur Weiterentwicklung potenzieller Wirkstoffe in der Krebstherapie“, so das PSI. Einer dieser Wirkstoffe werde auch bereits in der Entwicklung von Krebsmedikamenten eingesetzt. „Allerdings ging man bisher davon aus, dass er an einen anderen Rezeptor bindet, und daher eine andere Funktion der Krebszelle hemmt.“ Somit sei belegt worden, wie wertvoll die aktuelle Forschungsarbeit für die Pharmabranche sei. jh

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