Raiffeisen rechnet mit sinkenden Neumieten

13. August 2020 09:43

St.Gallen - Die Nachfrage nach Wohneigentum nimmt trotz der Wirtschaftskrise nicht ab. Auch bei Geschäftsimmobilien gebe es noch keine „Bremsspuren“, so Raiffeisen. Der Druck auf Neumieten steigt dagegen. Raiffeisen rechnet mit steigenden Leerständen.

Der Markt für selbstgenutztes Wohneigentum präsentiere sich auch in stürmischen Zeiten „äusserst robust“, so Raiffeisen in einer Medienmitteilung. Die Quartalsstudie Immobilien Schweiz der Bank zeige, dass der grösste Wirtschaftseinbruch seit der Ölkrise 1973 bisher praktisch spurlos am Eigenheimmarkt vorbeigegangen sei. Darauf deuteten die seit März zunehmenden Suchabonnements auf den grössten Immobilienportalen hin.

Bei Einfamilienhäusern wurden laut der Untersuchung fast 10 Prozent, bei Stockwerkeigentum über 6 Prozent mehr Abonnements aufgegeben. In gleichem Masse sei das Interesse an Mietwohnungen gestiegen. Ein verstärkter Trend zum Wohnen auf dem Land sei trotz der Pandemie nicht festzustellen.

Dank tiefer Zinsen bleibe Wohneigentum auch in Zukunft „äusserst attraktiv“. Fallende Preise seien wegen des knappen Angebots und sinkender Baugesuche nicht zu erwarten. Ebensowenig sei mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen. Dagegen spreche das schon hohe Preisniveau und die in der Krise sinkenden Haushaltseinkommen.

Auf dem Mietwohnungsmarkt rechnet Raiffeisen damit, dass die Rekordquote von Leerständen von 1998 spätestens im kommenden Jahr übertroffen wird. Der Druck auf die Neumieten werde daher noch weiter zunehmen. Anders bei Bestandsmieten in Zürich, Genf und Basel. Dort seien wegen der ausbleibenden Touristen Hunderte Airbnb-Angebote verschwunden und vermutlich dem Langzeitmietwohnungsmarkt zugeführt worden. „Diese Wohnungen sind eine willkommene Auffrischung für die ausgetrockneten städtischen Märkte mit Leerständen im Promillebereich“, folgert Raiffeisen-Chefökonom Martin Neff.

Für den Schweizer Büromarkt stelle die beschleunigte Digitalisierung eine Herausforderung dar. Längerfristig dürfte der Trend zu mehr Heimarbeit „das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage in diesem Markt nachhaltig verändern“. In Zeiten von Corona sollten Vermieter kommerzieller Flächen langjährige Mieter nicht verlieren. Raiffeisen empfiehlt daher „Kompromissbereitschaft und Flexibilität gegenüber treuen Bestandsmietern“. mm

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