Raiffeisen räumt weiter auf

22. Januar 2019 15:12

St.Gallen - Raiffeisen Schweiz hat unter seinem ehemaligen Chef Pierin Vincenz Beteiligungen für 1 Milliarde Franken erworben, die zumindest teilweise überteuert waren. Das zeigt ein von der Bank in Auftrag gegebener Bericht. Drei Geschäftsleitungsmitglieder sind nun zurückgetreten.

Raiffeisen Schweiz hat zwischen 2012 und 2015 neue Geschäftsbereiche durch Zukäufe für über 1 Milliarde Franken aufgebaut, heisst es im Bericht von Bruno Gehrig. Zumindest „in einigen Fällen“ erscheinen diese Zukäufe „strategisch fragwürdig“. Zwar hätten Raiffeisen-Mitarbeiter die hohen Preise kritisiert, aber ihre Kritik sei nicht berücksichtigt worden. „Innerhalb der Raiffeisen Schweiz herrschte vielerorts eine Haltung, die als Kultur des vorauseilenden Gehorsams bezeichnet werden kann: Man wollte den tatsächlichen und vermeintlichen Erwartungen von Pierin Vincenz gerecht werden, um nicht seinem Druck ausgesetzt zu sein oder bei ihm in Ungnade zu fallen.“ Vincenz hat auch an den Verhandlungen vorbei Gespräche mit den Beteiligten geführt, Bewertungsgutachten seien nicht eingeholt und interne Bewertungen nicht ausreichend berücksichtigt worden. Die Strukturen Raiffeisens seien mit Übernahmen in dieser Grössenordnung überfordert gewesen. 

Gehrig hat „keine klaren und eindeutigen Nachweise von strafrechtlich relevantem Verhalten“ festgestellt, weder bei Vincenz noch bei anderen Mitarbeitenden von Raiffeisen Schweiz. Allerdings konnte er sich nur auf die Unterlagen der Genossenschaftsbank sowie auf solche Dokumente stützen, die ihm freiwillig zur Verfügung gestellt worden waren. Raiffeisen Schweiz hat deshalb Informationen und Unterlagen zur Prüfung an die Zürcher Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte übergeben. 

In Reaktion auf den Bericht treten mit Gabriele Burn, Beat Hodel und Paulo Brügger die letzten Mitglieder der Geschäftsleitung unter Vincenz ab, heisst es in einer Mitteilung der Bank. „Es bedarf eines Neustarts, um die Aufgaben und Herausforderungen von Raiffeisen Schweiz vorantreiben zu können“, wird darin Heinz Huber zitiert, der Vorsitzende der Geschäftsleitung. Raiffeisen Schweiz hat bereits das Massnahmenpaket „Reform 21“ auf den Weg gebracht. Mit diesem will es zusammen mit den Raiffeisenbanken die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe verbessern und die Gruppe modernisieren. stk

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