Raiffeisen geht von Wachstumsdelle aus

13. März 2020 11:31

St.Gallen - Raiffeisen Schweiz prognostiziert wegen der Corona-Pandemie einen deutlichen weltweiten Einbruch beim wirtschaftlichen Wachstum. Das gelte auch für die Schweiz. Deshalb korrigiert die Bankengenossenschaft das erwartete Plus von 1,3 Prozent auf ein Minus von 0,2 Prozent.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie werden auch an der Schweiz nicht vorübergehen. Die Ökonomen von Raiffeisen Schweiz rechnen 2020 deshalb nicht mehr wie ursprünglich angenommen mit einer Beschleunigung des Wachstums beim Bruttoinlandprodukt (BIP) auf 1,3 Prozent. Stattdessen gehen sie jetzt laut einer Medienmitteilung von einem „Rückschlag für die Schweiz“ und einem leichten Schrumpfen der Wirtschaft um 0,2 Prozent aus. 

Die Schweizer Wirtschaft werde von zwei Seiten in Mitleidenschaft gezogen, glaubt der Chefökonom von Raiffeisen Schweiz, Martin Neff. „Einerseits belasten sie mögliche Engpässe bei den globalen Lieferketten und das wegbrechende Weltwirtschaftswachstum. Andererseits werden ihr die Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus direkt zusetzen.“ Das sei bereits besonders in der Gastronomie und bei Veranstaltern spürbar. Auch die Tourismusbranche melde schon heute teilweise hohe Einbussen. Ebenso seien Handel und andere Dienstleistungsbereiche zunehmend betroffen. In vielen Bereichen werden die Ausfälle nicht auf- beziehungsweise nachgeholt werden können.

Der Ausblick bleibe äusserst ungewiss, heisst es. So könne eine zeitversetzte Eskalation der Situation in den USA oder ein ähnliches Ausmass des Stillstands in der Schweiz wie in Italien „keineswegs ausgeschlossen“ werden. Deshalb lägen die Risiken für einen noch stärkeren Wachstumseinbruch derzeit höher als die Chancen für einen glimpflicheren Ausgang.

„Die zahlreichen angekündigten Konjunkturprogramme werden erst nach dem Auslaufen der einschränkenden Massnahmen richtig zur Entfaltung kommen“, meint Neff. Damit bleibe eine kräftige Konjunkturerholung in der zweiten Jahreshälfte und ein stärkeres BIP-Wachstum im nächsten Jahr wahrscheinlich. „Die Corona-Fallzahlen, so ungenau sie auch sein mögen, werden noch länger der Pulsmesser der Wirtschaft bleiben“. mm

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