Nadine Geiser ist Investment Managerin and besitzt einen Abschluss in Molecularer Biotechnologie. Bild: zVg

Positive Kapitalaussichten für Schweizer Biotech-Start-ups

16. April 2021 06:52

Zürich - Risikokapital ist für Biotech-Start-ups besonders wichtig, denn ihr Weg bis zum Produkt ist lang. In der Schweiz sind die Chancen auf eine Finanzierung positiv, sagt Nadine Geiser. Die Managerin bei der Venture-Capital-Gesellschaft Redalpine Venture Partners zieht Bilanz.

Wie bewerten Sie das Investitionsklima für Schweizer Biotech-Start-ups?

Nadine Geiser: In der Schweizer Investment-Landschaft gibt es für das generell hohe Risiko bei Biotech-Start-ups oft mehr Verständnis als anderswo. Hier investieren häufig Family Offices und vermögende Privatpersonen – sogenannte High Net Worth Individuals. Diese besitzen eine andere Preissensibilität. Dafür kann ein Grund sein, dass sie ihr Vermögen im Life-Sciences-Bereich gemacht haben und somit vom Fach sind – ein anderer, dass sie gezielt nach Start-ups in der Schweiz suchen.

Und wie sieht es mit ausländischen Investoren aus?

Das Interesse internationaler Risikokapitalgeber an europäischen und auch Schweizer Biotechs wächst in den letzten Jahren. In der Vergangenheit waren Biotech-Start-ups aus den USA oft höher bewertet als europäische, obwohl die Datenlage das nicht immer rechtfertigte. Jetzt erkennen amerikanische und asiatische Investoren, dass es lukrativ ist, Geld beispielsweise in eine Idee aus Zürich zu stecken, die vielleicht eine geringere Anfangsbewertung, aber bessere Erfolgsaussichten hat.

Zudem hört man vom wachsenden Renommee der Biotech-Szene im Wirtschaftsraum Zürich...

Das spielt eine Rolle. Etwa die Universität Zürich oder die Eidgenössische Technische Hochschule ETH geniessen weltweit höchstes Ansehen. Und in den letzten 20 Jahren hat sich die Szene rasant entwickelt. Um 2000 gründeten erste Forschende Start-ups, die sie äusserst erfolgreich verkauft haben. Die Gründer blieben danach dem Standort treu. Die Erfolge brachten etablierte Player wie den Pharmariesen Roche dazu, sich hier zu engagieren. Heute kommen viele Gründer und Investoren allein wegen des guten Rufs in die Greater Zurich Area.

Welche Unterschiede sehen Sie in Bezug auf die Standorte Basel, Zug oder Zürich?

Ich beobachte, dass sie voneinander profitieren. An allen drei Standorten gibt es attraktive Angebote und eine hohe Anzahl von Hochqualifizierten – das kommt dem ganzen Ökosystem zugute. Etwa können Talente in Pendeldistanz neue Herausforderungen annehmen.

Wie identifizieren Sie selbst Start-ups für ein potenzielles Investment?

Wir bauen auf ein erfahrenes Netzwerk, indem wir unsere Partner oder sie uns auf spannende Unternehmen aufmerksam machen. Zudem analysieren wir Trendthemen und suchen proaktiv nach Start-ups, die in innovativen Technologiebereichen aktiv sind. Seit neuestem setzen wir auch auf die Daten-getriebene Suche von neuen Start-ups aus dem Internet. Dabei ist natürlich immer noch der direkte Austausch mit den Hochschulen wichtig. Etwa an der ETH sind wir persönlich für Fragen von Forschenden ansprechbar, ohne dass es sich um eine klassische Pitch-Situation handeln würde.

Was kann ein Start-up von Ihnen als VC erwarten?

Als Investoren sind wir nicht operativ tätig, sondern wir geben Hilfe über das Netzwerk, indem wir etwa Kontakte knüpfen. Aktiv werden wir oft, wenn es um die Suche nach Führungspersonen geht. Zudem sind wir Sparring-Partner bei strategischen Fragen.

Dazu gehört auch die Entscheidung, ob ein Biotech den Weg zum Produkt alleine geht, sich Unternehmenspartner sucht oder eine Auslizensierung anstrebt. Wie ist Ihre Meinung?

Prinzipiell investieren wir gern in Plattform-Technologien, die nicht nur die Basis für ein Medikament oder Diagnostikum, sondern mehrere sind. Dabei ist eine Auslizensierung typischerweise ein langwieriger Prozess, dessen Ausgang schwer vorherzusagen ist. Ich rate, ein Asset so weit wie möglich mit eigener Kraft voranzutreiben, statt sich auf Externe zu verlassen.

Strategisch ist auch die Standortwahl von Produktionskapazitäten. Ist als Konsequenz aus der Corona-Krise hierbei die Schweiz stärker gefragt?

Corona hat eine Zeit des Umbruchs eingeläutet. Ich weiss, dass hier allerhand passieren wird und wir können auf die Rolle der Schweiz gespannt sein.

 

Zur Person:

Dr. Nadine Geiser hat einen Abschluss in Molekularer Biotechnologie und ist Investment Managerin bei Redalpine Venture Partners in Zürich. Sie sitzt im Vorstand verschiedener Biotech-Unternehmen wie etwa bei der Schlieremer Memo Therapeutics AG. Vor Redalpine war Nadine Geiser für die Bank Vontobel oder auch den Corporate Venture Capital Fund der Firma Merck KGaA, M Ventures, tätig.
 

Interview: Yvonne von Hunnius

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