Orkan Lothar hat auch positive Folgen

18. Dezember 2019 11:51

Birmensdorf ZH - Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft hat die Folgen von Orkan Lothar untersucht, der vor 20 Jahren über die Schweiz gefegt ist. Dadurch sind im Wald grosse Schäden angerichtet worden, aber auch artenreiche Laubmischwälder entstanden.

Lothar fegte am 26. Dezember 1999 über die Schweiz. Der Orkan hat dabei 12,7 Kubikmeter Holz zu Boden geworfen, wie es in einer Medienmitteilung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) heisst. Anschliessend ist es zu einem Borkenkäferbefall gekommen, so dass die Schäden einen Gesamtumfang von circa 1 Milliarde Franken erreicht haben. 20 Jahre danach sehen die WSL-Forschenden aber auch positive Folgen.

Der Borkenkäferbefall in Folge von Lothar erklärt sich einerseits durch die Hitze 2003 und andererseits dadurch, dass nach Stürmen, die grosse Mengen an Bäumen zu Boden werfen, fast immer ein grosses Vorkommen von Borkenkäfern registriert wird. Borkenkäfer könnten daher gerade wegen des Klimawandels erneut eine Bedrohung für die Schweizer Fichtenwälder darstellen. „Im Schweizer Mittelland dürften sich dann häufig drei statt zwei Käfergenerationen entwickeln, welche geschwächte Fichten attackieren“, wird Insektenspezialist Beat Wermelinger von der WSL in der Mitteilung zitiert.

Vor diesem Hintergrund ist es erfreulich, dass an den Stellen, an welchen Lothar grosse Mengen an Bäumen zu Boden geworfen hat, heute wieder 10 bis 15 Meter hohe Jungwälder stehen. Diese Wälder sind jedoch wesentlich artenreicher als es vor Lothar der Fall war. „Vieles deutet darauf hin, dass hier klimarobuste Wälder nachwachsen, mit zusätzlichen Arten wie Eiche, Kirschbaum und Spitzahorn“, heisst es von WSL-Forstwissenschaftler Peter Brang. Langfristig haben die katastrophalen Zerstörungen von Lothar also eine stabilisierende Wirkung auf den Wald, so die WSL. „Die nach den Stürmen gesammelten Erkenntnisse aus Forstpraxis und Forschung helfen, die natürliche Walddynamik besser zu verstehen und Störungen als Chance zur raschen Anpassung zu erkennen“, sagt WSL-Waldökologe Thomas Wohlgemuth. jh

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