Noch sind 12.000 Ausbildungsplätze frei

29. Juli 2019 14:32

Zürich - Immer weniger Junge wollen eine Berufslehre machen. Tausende von Lehrstellen sind noch unbesetzt. Fachleute und Unternehmen sorgen sich deshalb um das duale Bildungssystem. Doch für Mädchen scheint der Trend zum Gymnasium vorteilhaft zu sein.

Nur noch knapp die Hälfte der Teenager möchte in die Lehre gehen. Wie die NZZ am Sonntag berichtet, sinkt ihr Anteil leicht. Dieser Trend mache sowohl Arbeitgebern als auch Fachleuten Sorgen. In den vergangenen Jahren hatten noch zwei von drei Jugendlichen eine Lehrstelle angenommen. Ausserdem sei das Ansehen der Berufslehre stark gesunken. Für West- und Südschweizer sei eine Lehrstelle gar dritte Wahl, so die Leiterin Berufsbildungspolitik des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation, Katrin Frei.

Restaurants, Bäckereien und Metzgereien tun sich schwer, Nachwuchs zu finden. Detailhandel, Gastgewerbe und Bau meldeten im April, dass beinahe die Hälfte ihrer Stellen für Berufsanfänger unbesetzt sei. Und im Verkauf gehen die Lehreintritte noch stärker zurück als im Handwerk. Während Konzerne und Grossbetriebe Nachwuchs umwerben und fördern, fühlen sich KMU im Wettbewerb um die Jungen abgehängt.

„Die Berufslehre bringt Männern mehr als Frauen“, werden die Sozialwissenschaftler Maïlys Korber und Daniel Oesch von der Universität Lausanne zitiert. Männer mit Lehrabschluss hätten auf lange Sicht gleichwertige Berufsperspektiven wie mit Matura, Frauen in traditionell weiblichen und schlechter bezahlten Berufen nicht. Auch deshalb seien an Schweizer Universitäten mehr Frauen als Männer eingeschrieben. 

Diese Trends könnten nur aufgehalten werden, wenn Lehrabgänger „das Gefühl haben, in der Arbeitswelt die gleichen Chancen zu haben wie Uniabsolventen“, sagte Martin Oppliger vom Ausbildungsverbund Aprentas gegenüber der Zeitung.

 

 

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