Noch mehr geht nicht mehr

06. Mai 2020 10:00

Die Wirtschaft sollte an die Gesetze der Natur angepasst werden – andersherum führe es in eine Katastrophe, so der freischaffende Produzent Gabriel Rosenthal. Als Vertreter der Generation Z kritisiert er, dass wider besseres Wissen am Prinzip des Wirtschaftswachstums festgehalten wird.

von Gabriel Rosenthal

Ich erinnere mich immer noch, wie ich als kleines Kind im Zoo Zürich wie angewurzelt vor einer roten LED-Anzeige stehen blieb. „Anzahl verbliebene Löwen auf dem Planeten“, stand daneben geschrieben. Die stets herunterzählende Zahl hat mich schockiert und bis heute geprägt, doch die Erwachsenen um mich herum schien sie nicht zu beeindrucken. Seither sind viele Jahre vergangen und die LED-Anzeige hat die ganze Zeit rückwärts gezählt. Währenddessen bin ich erwachsen geworden und musste viele weitere Warnsignale aus der Natur wahrnehmen.

Es ist uns schon lange bewusst, dass wir in eine Sackgasse rennen. Es ist uns bewusst, dass die Ressourcen unseres Planeten beschränkt sind und wir damit aufhören sollten, wilde Lebensräume zu zerstören. Doch wieso spricht man in der Wirtschaft noch immer vom Wirtschaftswachstum als Heiliger Gral, den alle anstreben sollten?

Ein konstantes Wirtschaftswachstum verlangt eine exponenzielle Steigerung des Wirtschaftsvolumens, welches eine grössere Ausbeutung von Ressourcen erfordert und wilde Lebensräume verdrängt. Das Wirtschaftswachstum ist die Sackgasse! Noch mehr geht nicht mehr.

Stattdessen sollten wir unsere Wirtschaft überholen und sie an die Gesetze der Natur anpassen. Statt in exponenziellem Wachstum sollten wir in Kreisläufen und Zyklen denken. Mir ist bewusst, dass dies grosse Anstrengungen, Umstrukturierungen und Verzicht bedeuten wird. Doch langfristig gedacht stehen uns sowieso nur zwei Möglichkeiten offen: Entweder wir lernen zu verzichten, oder wir fahren die Menschheit mit exponenziell wachsendem Tempo an die Wand.


Gabriel Rosenthal, 23 Jahre alt, ist in Winterthur freischaffender Produzent von audiovisuellen Inhalten. Seine Ausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) hat er im Sommer 2019 abgeschlossen. Unter anderem hat er sich zur Aufgabe gemacht, im Austausch mit unterschiedlichen Menschen aus verschiedenen Kulturen die Welt aus anderen Perspektiven kennenzulernen.

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