Niedrige Zinsen machen Ökostrom konkurrenzfähig

10. September 2019 10:45

Zürich/Potsdam - Das derzeit niedrige Zinsniveau macht erneuerbare Energien rentabler. Deshalb haben die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung untersucht, welche Folgen steigende Zinsen für erneuerbare Energien hätten.

Die Konkurrenzfähigkeit von Ökostrom hängt stark auch vom Zinsniveau ab. Das ist laut einer Medienmitteilung der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) ein häufig übersehener Faktor. In einer am Dienstag veröffentlichten Studie wies ein gemeinsames Forscherteam der ETH und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) nach, dass sich steigende Zinsen auf die Rentabilität alternativer Energien negativ auswirken. Der Grund dafür ist, dass erneuerbare Energien kapitalintensiver sind als fossile Energieträger. So würden etwa in Deutschland bei einem Zinsniveau wie vor der Finanzkrise die Stromgestehungskosten für Solaranlagen um 11 Prozent und für Windkraftprojekte um 25 Prozent steigen. 

Die ETH- und PIK-Forscher halten deshalb Überlegungen etwa der EU, die Instrumente zur Förderung alternativer Energien abzuschaffen, für „eine gefährliche Strategie“. Diese Instrumente hätten mit dazu geführt, dass die Stromgestehungskosten erneuerbarer Energien heute in vielen europäischen Ländern in der Nähe jener für bestehende Gas- oder Kohlekraftwerke liegen und Ökostromproduzenten teils subventionsfrei arbeiten können. Im Fall steigender Zinsen würde sich das kontraproduktiv auswirken. Die für das Klima notwendige Reduktion von CO2-Emissionen wäre gefährdet. „Die positive Entwicklung bei den erneuerbaren Energien sollte man nicht aufs Spiel setzen“, wird Tobias Schmidt, ETH-Professor für Energiepolitik, zitiert. 

Die Forscher empfehlen deshalb einen Mindestpreis für Emissionszertifikate im europäischen Emissionshandel. Dies würde künftige Preisstürze für klimaschädliche CO2-Emissionen ausschliessen und den Übergang zu erneuerbaren Energien begünstigen. Zudem sprechen sie sich für die Beibehaltung von Auktionen für Ökostrom-Grossanlagen aus. Dadurch würde der jeweils wettbewerbsfähigste Anbieter zum Zug kommen. mm

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