Netze schützen oft besser gegen Muren als Beton

22. Dezember 2020 12:21

Birmensdorf ZH - Neue Schutznetze gegen Murgänge und Hangmuren haben grosse Vorteile gegenüber Betonmauern. Ein Autorenteam der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, des Kantons Appenzell Ausserrhoden und von Ingenieurbüros gibt jetzt Praxishilfe bei Netzbarrieren.

Eine neue Praxishilfe fasst die Erfahrungen mit Schutznetzen gegen Murgänge und Hangmuren zusammen und bewertet sie. Solche Netzbarrieren aus Stahlseilen oder hochfestem Stahldraht gibt es seit rund zehn Jahren. Das Autorenteam der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), des Kantons Appenzell Ausserrhoden und mehrerer Ingenieurbüros kommt zu dem Ergebnis, dass sie so manche starre Betonbarriere ersetzen oder ergänzen können. 

Schon seit Jahrzehnten hätten sich flexible Schutznetze gegen Steinschlag und Schneenetze weltweit etabliert, schreibt die WSL in einer Medienmitteilung. Eine deutlich verbesserte Leistungsfähigkeit jüngerer Netzkonstruktionen könne auch den gewaltigen Kräften von Murgängen und Hangmuren standhalten. Ihre Flexibilität helfe bei der Bändigung dieser Naturgefahren. Das Wasser könne abfliessen, das zurückbleibende Material werde verdichtet und erhöhe die Brems- und Rückhaltewirkung.

Seit 2007 seien in der Schweiz rund 80 Murgang- und 30 Hangmurenschutznetze installiert worden. „In der Praxis erwies sich deren relativ schnelle und einfache Installation als einer der grössten Vorteile gegenüber starren Betonbauwerken“, heisst es.

Wenn infolge der Klimaerwärmung Permafrostböden auftauen und Starkniederschläge häufiger und intensiver werden, könne der Einsatz von Schutznetzen öfter sinnvoll sein: „Als Sofortmassnahmen oder auch als Schutz für eine einzelne Strasse oder ein Gebäude sind Schutznetze innert kurzer Zeit installiert“, so Christoph Graf, Geomorphologe an der WSL und Mitautor der Praxishilfe. Diese attraktive Alternative zu starren Betonbauten sollte „in einem gefährdeten Gebiet bei der lokalen Massnahmenplanung unbedingt mitevaluiert werden“. mm

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