Nanoplastik kommt über die Luft in die Schweiz

26. Januar 2022 14:13

Dübendorf ZH - Forschende der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt stellen erstmals Erkenntnisse über die bislang kaum erforschte Verbreitung von Kunststoffen in der Luft zur Verfügung. Bis zu 3000 Tonnen der Plastikteilchen landen in der Schweiz. Demnach verbreitet sich Nanoplastik über Wind und Wetter stärker als bisher vermutet.

Ein Forscherteam der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), der Universität Utrecht und der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) hat in einer per Medienmitteilung bekanntgemachten Studie nachgewiesen, dass wesentlich mehr Plastikteilchen in der Luft herumschwirren als angenommen. Als eine der ersten Forschungsgruppen vermitteln sie Einblicke in ein weitgehend unerforschtes Gebiet.

Gestützt auf ein eigenes chemisches Verfahren fanden die Forschenden rund um den Empa-Wissenschaftler Dominik Brunner heraus, dass die Luft in den Schweizer Alpen nicht mehr rein ist: Pro Jahr sollen rund 43 Trillionen feinster Plastikteilchen in der Schweiz durch die Luft rieseln. Die exakte Menge sei unbekannt, die Forscher gehen von „bis zu 3000 Tonnen“ aus. Die Schätzung sei verglichen mit anderen Studien „sehr hoch“ und ziehe weitere Untersuchungen nach sich.

Luftunreinheiten zeigten sich vor allem in „dicht besiedelten, urbanen Gebieten“. Die Forschenden konnten zudem nachweisen, dass 10 Prozent des Nanoplastiks aus einer Entfernung von bis zu 2000 Kilometern, teilweise vom Atlantik transportiert wurden.

Bislang richtet sich der Fokus auf Plastikmüllberge in den Ozeanen. Mit ihren Beobachtungen zum Plastikmüll in der Luft sei den Wissenschaftlern „die genaueste Erfassung der Luftverschmutzung durch Nanoplastik, die jemals durchgeführt wurde“, gelungen. Die Messdaten wurden im Nationalpark Hohe Tauern in Österreich in einer Höhe von 3106 Metern gewonnen, wo die ZAMG ein Observatorium betreibt.

Die Folgen sind unklar. „Wir wissen, dass Mikro- und Nanoplastik fast überall vorhanden ist. Aber ob das wichtig oder gar gefährlich ist, müssen wir erst noch erforschen“, wird Bernd Nowack in der Mitteilung zitiert. Der Empa-Forschende zählt mit seinen Arbeiten über die Verbreitung von Nanoteilchen in der Umwelt seit acht Jahren in Folge zu den meist-zitierten Forschern weltweit. hg

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