Nachhaltige Finanzwirtschaft spürt Aufbruchstimmung

22. November 2019 15:25

Vaduz - Die Nachhaltigkeit ist in der Finanzwirtschaft angekommen, nachhaltige Anlagen werden zunehmend zur Norm. Das hat der Bankentag in Liechtenstein gezeigt. Dabei wird neben der ökologischen zunehmend auch die soziale Komponente der Nachhaltigkeit relevant.

Der Liechtensteinische Bankenverband (LBV) engagiert sich seit vielen Jahren für die Nachhaltigkeit. Bereits 2009 hat er dafür die LIFE Klimastiftung Liechtenstein initiiert und trägt sie seither mit. Entsprechend bildete die Nachhaltigkeit auch das zentrale Thema des Bankentages, mit dem der LBV am Freitag seinen 50. Geburtstag gefeiert hat: in Generationen denken, nachhaltig handeln. „Nachhaltigkeit ist Teil des Mainstreams geworden“, sagte Hans-Werner Gassner, Präsident des Bankenverbandes . „Die Zeit ist nahe, in der nachhaltige Investitionen die Norm sein werden.“

Aus der Sicht von Tycho Sneyers von LGT Capital Partners geht Nachhaltigkeit inzwischen über den Ausschluss von Investitionen in bestimmte Firmen mit nicht-nachhaltigem Verhalten aus dem Portfolio hinaus. Viele Investoren wollten eine positive Wirkung erzielen. Dabei seien die 17 Ziele der nachhaltigen Entwicklung, welche die UNO-Mitgliedsländer 2015 verabschiedet haben, eine wertvolle Hilfe. Allerdings seien die meisten Investoren noch unsicher, wie sie diese Ziele konkret in ihre Arbeit integrieren könnten.

Reynier Indahl sieht in der Nachhaltigkeit sogar den Schlüssel zum erfolgreichen Investieren überhaupt. Indahl nennt das Private Equity 4.0: Wenn Investoren in Zeiten schwachen Wachstums Erfolg haben wollten, müssten sie auf Wachstumsthemen setzen. Und gerade diejenigen Bereiche, die aus der Sicht der Nachhaltigkeit problematisch seien, bildeten für aktive Investoren Chancen. „Es gibt eine klare Beziehung zwischen der Nachhaltigkeit und der Profitabilität“, sagte der Norweger am Bankentag. Die von ihm gegründeten Fondsgesellschaft Summa Equity investiert gezielt in Themen des nachhaltigen Umbaus der Gesellschaft: Ressourceneffizienz, Gesundheitswesen und Technologiefirmen. Summa Equity ist 2016 mit der Hilfe der LGT und der Fürstenfamilie gestartet.

Liechtenstein kann aus der Sicht von Wim Mijs zu einem Massstab für eine nachhaltige Finanzwirtschaft in Europa werden. Das Land könne neue Modelle schneller umsetzen, sagte der CEO des Europäischen Bankenverbandes. Solche Vorbilder brauche es, damit Europa insgesamt die nachhaltige Finanzwirtschaft vorantreibe, fügte Stephen Nolan hinzu, Managing Direktor der UN-Initiative für nachhaltige Finanzplätze (FC4S). „Europa hat die grosse Chance, Marktführer bei den nachhaltigen Finanzen zu sein.“

Dabei geht Nachhaltigkeit über Umweltschutz und Klimawandel hinaus. „Wir dürfen die soziale Komponente nicht vergessen“, sagte LBV-Präsident Gassner. Er verwies auf die Liechtenstein Initiative zur Bekämpfung moderner Sklaverei und des Menschenhandels. Sie wird von Liechtenstein, den Niederlanden sowie Australien und auf der privaten Seite unter anderem vom LBV, der LGT und der Hilti Foundation getragen. 

Christian Wenaweser, Liechtensteiner UN-Botschafter und Initiant der Liechtenstein Initiative, wies darauf hin, dass die moderne Sklaverei überall illegal sei und doch das profitabelste Verbrechen der Welt darstelle. Gesetzgebung allein helfe nicht dagegen. Es brauche eine enge Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und Wirtschaft. Daniel Thelesklaf, Leiter der Schweizer Meldestelle für Geldwäscherei und Mitglied der Kommission der Liechtenstein Initiative, wies darauf hin, dass ein Teil der Gewinne aus der Sklaverei in Höhe von 150 Milliarden Dollar in das Finanzsystem fliesse. Wenn man diesen Geldflüssen folge, komme man zu den Verbrechern selbst – und dafür braucht es die Zusammenarbeit mit der Finanzwirtschaft. stk

Mehr zu Finanzdienstleistungen

Aktuelles im Firmenwiki