Medtech-Zulieferer schlägt wegen Bilateralen Alarm

18. Dezember 2019 13:26

Rafz ZH - Die Blockade der Bilateralen trifft die Schweizer Medtech-Unternehmen hart. Das bekommen auch Zulieferer wie Alfa Klebstoffe zu spüren. Das Unternehmen in Rafz wendet sich nun an Ständeräte mit der Bitte, „beherzte Massnahmen“ zu ergreifen, um die Blockade zu beenden.

Alfa Klebstoffe ist ein Familienunternehmen der dritten Generation. Der Spezialklebstoffhersteller sieht sich als einer der globalen Marktführer in der Entwicklung und der Produktion lösungsmittelfreier, wasserbasierter Klebstoffe. Das 1972 gegründete Unternehmen beschäftigt in der Entwicklung, der Produktion und im Verkauf sowie Versand in Rafz rund 60 Mitarbeitende. Exportiert wird in über 90 Länder. Dabei bleibt der Schweizer Markt für Alfa Klebstoffe wichtig, namentlich in der anspruchsvollen Medtech-Branche. 

Doch nun verlagern viele Schweizer Kunden ihre Produktion in die EU. Der Grund: Die gegenseitige Anerkennung von Medtech-Produkten, eigentlich im bilateralen Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Konformitätsbewertungen (MRA) von 1999 geregelt, droht 2020 auszulaufen. Denn die EU und die Schweiz müssten neues EU-Recht offiziell in das Abkommen übernehmen, doch Brüssel verweigert diese Aktualisierung aufgrund der Blockade beim institutionellen Rahmenabkommen. 

Alfa-CEO Thomas Simmler, Finanzchefin Maya Bänninger und der operative Chef Christian Bänninger, Mitglieder der Gründerfamilie in der zweiten und dritten Generation, schlagen deshalb in einem Brief an Mitglieder des Ständerats Alarm. „Das Szenario einer weiteren Verlagerung von Produktionskapazitäten ins EU-Ausland erfüllt uns nicht nur deshalb mit Sorge, weil unser eigener Absatz davon betroffen sein könnte“, schreiben sie. „Vielmehr befürchten wir, dass eine solche Entwicklung generell negative Einflüsse im Hinblick auf das wirtschaftliche Wohlergehen und die Stabilität des Landes haben würde.“

Die Unternehmer weisen dabei auch auf eine Interpellation des ehemaligen Freiburger CVP-Ständerats Beat Vonlanthen hin. Dieser hatte im Juni auf die Folgen der Blockade für die Medtech-Branche hingewiesen. Der Bundesrat weist in seiner Antwort vom August darauf hin, dass das Abkommen spätestens im Mai 2020 aktualisiert werde und die technischen Vorbereitungen dazu im Frühherbst 2019 abgeschlossen sein müssten. 

Die Aktualisierung ist also bereits mindestens im Verzug. „Aus diesem Grund bitten wir Sie eingehend, nach Kräften dafür einzutreten, dass Parlament, Regierung sowie die betroffenen Kreise von Wirtschaft und Sozialpartnern die Dinge nicht auf sich beruhen lassen“, schreiben die Unternehmer aus Rafz. Die Ständeräte mögen „beherzt Massnahmen und Initiativen ergreifen, die dazu dienen, den ergebnisorientierten Dialog mit Brüssel schnellstens wieder aufzunehmen“. stk

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