Medtech-Branche sorgt sich um ihre Rolle in der EU

12. November 2020 10:36

Bern - Die Schweizer Medizintechnikbranche fordert den Bundesrat zu raschem Handeln auf. Er soll noch innerhalb dieses Monats mit der Europäischen Kommission das Abkommen über den Abbau von Handelshemmnissen aktualisieren. Der aktuelle rechtliche Schwebezustand sei unhaltbar.

Der Schweizer Medizintechniksektor fordert Rechtssicherheit. Am 26. Mai 2021 tritt die neue Medizinprodukteverordnung der Europäischen Union in Kraft. Damit verliert das bestehende Zuatzabkommen mit der Schweiz (Mutual Recognition Agreement, MRA) seine Gültigkeit. Deshalb fordert der Branchenverband Swiss Medtech den Bundesrat zu sofortigem Handeln auf. Noch im November müsse die Vereinbarung zwischen der EU und der Schweiz erneuert oder aktualisiert werden. 

„Vielen Entscheidungsträgern scheint nicht bewusst zu sein, wie sehr die Zauderei dem Wirtschafts- und Forschungsplatz Schweiz bereits geschadet hat und schaden wird“, so Simon Michel, CEO des Medtech-Unternehmens Ypsomed und Mitglied des Swiss Medtech-Vorstands in einer Medienmitteilung des Verbands. Seit zwei Jahren seien die Medtech-Unternehmen gezwungen, in ihre Geschäftsüberlegungen miteinzubeziehen, dass sie für den Zugang zum EU-Binnenmarkt temporär oder längerfristig die Anforderungen eines Drittstaates erfüllen müssen. „Es ist schmerzhaft zu sehen, wie in der Schweiz ein bisher gesunder und innovativer Industriezweig in seiner Wettbewerbsfähigkeit geschwächt wird.“

Deshalb begrüsse der Verband den Beschluss des Bundesrats vom Mittwoch, jetzt Gespräche mit Brüssel aufzunehmen. „Die Corona-Krise hat deutlich vor Augen geführt, wie stark die Schweiz und die EU verflochten sind und wie wichtig länderübergreifende Bereitstellung von Medizinprodukten für die Patientenversorgung ist“, wird Swiss Medtech-Vorstand Beat Vonlanthen in der Mitteilung zitiert.

Die Europäischen Union hat ihre Medizinprodukteverordnung nach dem Brustimplantate-Skandal von 2010 verschärft. Eine französische Firma hatte sie jahrelang in 65 Länder verkauft. Statt mit medizinischem Silikon waren sie mit Billig-Silikon gefüllt, das Entzündungen hervorrief. Im Nachgang mussten sie Tausende Frauen operativ entfernen lassen. mm 

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