Landwirte verschmutzen Grundwasser

15. August 2019 13:36

Bern - Das Grundwasser im Mittelland weist eine hohe Konzentration von Nitraten auf, zeigt ein Bericht des Bundesamts für Umwelt. Es fordert die Landwirtschaft auf, Massnahmen zu ergreifen. Aus der Sicht des Bauernverbandes sind die Kantone schuld.

Die Nitratbelastung des Grundwassers ist in Gebieten mit starker landwirtschaftlicher Nutzung hoch. Das zeigt der Bericht der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA, den das Bundesamt für Umwelt (BAFU) veröffentlicht hat. Die natürliche Nitratkonzentration betrage wenige Milligramm pro Liter Grundwasser. Im Mittelland wiesen aber 80 Prozent aller Messstellen eine Konzentration von mehr als 10 Milligramm auf, an 15 Prozent werde auch der Grenzwert von 25 Milligramm überschritten, heisst es in einer BAFU-Mitteilung zum Bericht. In Gebieten mit viel Ackerbau werde der Grenzwert sogar bei 40 Prozent der Messstellen überschritten. An 2 Prozent der Messstellen ist das Wasser mit mehr als 40 Milligramm nicht mehr trinkwassertauglich. 

Der Bericht selbst sagt auch klar, wer die Verantwortung für die Verschmutzung trägt: „Die Hauptursache liegt in der landwirtschaftlichen Nutzung, aus der jährlich über 150.000 Tonnen Nitrat in die Gewässer gelangen.“

Die Verschmutzung des Grundwassers mit anderen Stoffen ist wesentlich geringer. So werden die Grenzwerte für Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nur an 2 Prozent der Messstellen überschritten, die für flüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe aus Altlasten der Industrie an 4 Prozent der Messstellen.

Die Schweiz verfüge auch in Zeiten des Klimawandels über genug Grundwasser, heisst es in der Mitteilung. Aber es müsse konsequenter geschützt werden, „damit der Druck auf unsere wichtigste Trinkwasserressource nicht weiter zunimmt und die Verunreinigungen abnehmen“. Als Hauptverursacher bei den Nitraten und den Pflanzenschutzmitteln sei „dabei vor allem die Landwirtschaft gefordert, mit geeigneten Massnahmen das Grundwasser zu entlasten“.

Das sieht der Schweizer Bauernverband anders. In seiner Stellungnahme erwähnt er die Nitratbelastung nicht. Stattdessen verweist er darauf, dass die Grenzwerte bei Pflanzenschutzmitteln nur an 2 Prozent der Messstellen nicht eingehalten würden, bei den flüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen aus der Industrie dagegen bei 4 Prozent. „Die Landwirtschaft macht ihre Hausaufgaben.“

Der Verband weist die Verantwortung den Kantonen zu. Diese hätten 42 Prozent der Grundwasserfassungen nicht bundesrechtlich ausgeschieden. „Es sind folglich die Kantone und damit die zuständigen Behörden selber, die ihre Aufgaben zum Schutz des Trinkwassers noch nicht ausreichend gemacht haben.“ stk

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