Patrick Semadeni (CEO der Semadeni Plastics Group und Vize-Präsident von KUNSTSTOFF.swiss) im Gespräch mit SHIFT-Organisator Christian Häuselmann. Bild: Yvonne von Hunnius

Kreislaufwirtschaft wird zum Geschäftsmodell

23. Januar 2020 07:44

Luzern - Der Umbau der linearen zu einer kreislauffähigen Wirtschaft ermöglicht neue Geschäftsmodelle. Damit bietet er Chancen gerade für agile KMU. Das hat die SHIFT Switzerland in Luzern gezeigt, die Messe für Kreislaufwirtschaft.

Kreislauffähige Produkte und Dienstleistungen werden zur neuen Norm, zumindest in Europa. Die EU-Kommission hat bereits unter ihrem ehemaligen Präsidenten Jean-Claude Juncker einen Massnahmenplan zur Kreislaufwirtschaft verabschiedet. Unter der neuen Präsidentin Ursula von der Leyen gehört sie zum „Green Deal“, mit dem die europäische Wirtschaft nachhaltig umgebaut werden soll.

Die Bewegung Circular Economy Switzerland, lanciert Anfang 2019, setzt das Thema auch auf die wirtschaftspolitische Agenda der Schweiz. Sie wird namentlich von Migros Engagement und von der Mava Foundation getragen und vereint Akteure aus einem breiten Spektrum, von Umweltschutzorganisationen wie PUSCH bis zum Swiss Economic Forum, einer Tochtergesellschaft der NZZ Mediengruppe

Migros Engagement unterstütze Projekte, die sinnvoll seien für die Zukunft der Schweiz, sagte Corinne Grässle von Migros Engagement an der SHIFT Switzerland, der Messe für Kreislaufwirtschaft in Luzern. „Dazu gehört auch die Kreislaufwirtschaft; sie ist ein wichtiger Teil der Lösung.“ Ähnlich sieht es Holger Schmid von der Mava Foundation. „Die Kreislaufwirtschaft hat das Potenzial, unsere Wirtschaft zurück in die Grenzen der natürlichen Ressourcen zu bringen“, sagte er. „Es macht Sinn, Plattformen zu unterstützen, die Menschen zusammenbringen.“ Ziel sei es, einen Markt für kreislauffähige Produkte aufzubauen.

Solche Produkte gibt es bereits. BioApply aus Gland VD, gegründet 2009, hat als eines der ersten Unternehmen in Europa kompostierbare Plastiksäcke aus organischen Rohstoffen auf den Markt gebracht, lange vor der derzeitigen Diskussion über die Abschaffung von Plastiksäcken aus fossilen Rohstoffen. Heierling aus Davos GR hat 2012 einen Skischuh lanciert, dessen Bestandteile vollständig entweder wiederverwendbar oder wiederverwertbar sind. 

Die Druckerei Vögeli aus Langnau i.E. hat vor drei Jahren begonnen, sich nach Cradle to Cradle („Von der Wiege bis zur Wiege“) zertifizieren zu lassen, dem strengsten Standard der Kreislaufwirtschaft. Seit September 2019 ist sie die erste Druckerei weltweit, die nach dem Cradle to Cradle-Goldstandard zertifiziert ist. Die Cradle to Cradle-Produkte machen bereits einen Anteil von 30 Prozent am Umsatz aus, Tendenz rasch wachsend.

Albin Kälin war in den 90er Jahren der erste Manager weltweit, der ein Cradle to Cradle-Produkt lanciert hat, Bezüge für bestimmte Airbus-Sitze. Heute zertifiziert seine EPEA Switzerland Cradle to Cradle-Produkte in der Schweiz, Österreich und auch in Deutschland. „Dabei geht es nicht in erster Linie um eine Zertifikation, sondern um Innovation“, sagt Kälin.

Der Umbau der linearen, auf den einmaligen Verbrauch ausgerichteten hin zu einer kreislauffähigen Wirtschaft ist nicht nur ein KMU-Thema. „Kreislaufwirtschaft ist auf der Agenda der grossen Unternehmen, und zwar weltweit“, sagte Sara Lindeblad Wingstrand von der Ellen MacArthur-Stiftung an der SHIFT Switzerland. Über 200 grosse Unternehmen, darunter Danone, Nestlé und Unilever, hätten sich bereits zu konkreten Massnahmen verpflichtet.

An der SHIFT Switzerland hat sich auch der Verein NextGenerations präsentiert, der sich für eine enkeltaugliche Wirtschaft einsetzt. SHIFT Switzerland ist selbst Mitglied des Vereins. stk

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