Der Dispo.space in Nidau wurde für den Workshop von NextGenerations zu einem Fernsehstudio umgewidmet. Bild: Steffen Klatt

Kreislaufwirtschaft nimmt Fahrt auf

04. Juni 2020 14:28

Nidau BE - Die Kreislaufwirtschaft kann den Verbrauch von Ressourcen und Energie massiv absenken. Dazu braucht es aber neue Lösungen für Materialien und Design sowie für die Nutzung der Produkte. Viele dieser Lösungen gibt es bereits in der Schweiz, zeigt der digitale Workshop von NextGenerations.

Walter Stahel setzt sich seit Jahrzehnten für ein Wirtschaften im Kreislauf ein. „Jetzt sehen Ökonomen nicht nur, dass sich etwas ändern muss, sondern auch, wie es möglich ist“, sagte der Pionier der Kreislaufwirtschaft und Gründer des Product Life Institutes in Genf am dritten Workshop zur Kreislaufwirtschaft des Vereins NextGenerations. Kreislaufwirtschaft stelle unter anderem neue Anforderungen an die Materialien. Diese müssten wiederverwendbar sein. Mit hochwertigen Kunststoffen oder Metallen etwa sei dies möglich. „Die Materialwissenschaft geht in diese Richtung, auch wenn es noch zehn bis fünfzehn Jahre braucht, bis das im Alltag ankommt.“ Bei Kreislaufwirtschaft gehe es darum, Werte zu erhalten. Der Schlüssel liege dabei bei jedem Einzelnen: „Du als Verbraucherin oder Verbraucher entscheidest, wie lange ein Produkt verwendet wird“, so Stahel an der digital durchgeführten Veranstaltung.

Das Zentrum für Produkt- und Prozessentwicklung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) gehört zu den wissenschaftlichen Einrichtungen, die an der Kreislauffähigkeit neuer Materialien und Produkte arbeiten. „Wir arbeiten an neuen Materialien für die Maschinenindustrie“, sagte Jens Baier von der ZHAW am Workshop.

Eines der bestgeeigneten Materialien für die Kreislaufwirtschaft ist auch eines der ältesten Materialien überhaupt: Holz. Lange durch Beton verdrängt, erlebt es derzeit eine Wiedergeburt auch im Hochbau. Nachhaltiger Holzbau sei gefragt, sagte Unternehmensleiter Töna Rauch von der Invias AG in Maienfeld GR, die auf Holzbau spezialisiert ist. So habe die LGT Bank in Vaduz einen Anbau benötigt, der auch als Imageträger geeignet sei. Invias konnte einen Neubau mit wenig Technik und viel Holz realisieren. „Die Mitarbeitenden arbeiten gern in dem neuen Gebäude“, so Rauch.

Nachhaltige Lösungen können auch helfen, Energie zu sparen. Das zeigt die Lösung von Swiss Precision Lighting. Das Unternehmen hat eine neue Stadionbeleuchtung entwickelt. Diese richtet das Licht nur auf die Sportfläche selbst. Damit werden nicht nur die Lichtemissionen verringert, sondern auch der Energieverbrauch: Wo früher 4 Kilowatt benötigt worden seien, brauche es heute nur noch 0,98 Kilowatt, sagte Ralf Stucki, Mitgründer des Start-ups in Murten FR.

Am Ende freilich entscheidet der Markt darüber, ob nachhaltige Lösungen gewählt werden. „Es braucht politische Rahmenbedingungen, es braucht manchmal auch Subventionen“, sagte Christian Häuselmann. „Aber am Ende setzen es die Unternehmer um – oder eben auch nicht“, sagte der im kalifornischen San Diego lebende Schweizer. Er baut deshalb mit SHIFT Switzerland einen Marktplatz  für die Kreislaufwirtschaft auf. Dieser soll Anbieter und Einkäufer zusammenbringen. Nächster Termin: 4. Mai 2021. Dann wird SHIFT im Kursaal Bern eine Veranstaltung zur kreislauffähigen Beschaffung durchführen, in Zusammenarbeit mit NextGenerations. stk

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