Krebszellen eliminieren sich selbst

18. Mai 2021 12:29

Zürich - Forschende der Universität Zürich können einen Tumor dazu bringen, dass er selbst Wirkstoffe produziert, die ihn zerstören. Dafür bauen sie ein abgeschwächtes Virus zu einer Art Taxi um, das Gene für therapeutische Wirkstoffe am Immunsystem vorbei direkt in Tumorzellen transportiert.

Eine Forschungsgruppe am Biochemischen Institut der Universität Zürich (UZH) hat eine vielversprechende und nebenwirkungsarme Technologie gegen Krebs entwickelt. „Wir bringen den Tumor dazu, sich selbst zu eliminieren, indem wir seine Zellen veranlassen, therapeutische Wirkstoffe zu produzieren“, wird die Forscherin und Erstautorin der Studie, Sheena Smith, in einer Medienmitteilung der UZH zitiert. Wie der Leiter der Forschungsgruppe, Andreas Pflückthun, erklärt, bleiben die Wirkstoffe wie therapeutische Antikörper oder Botenstoffe an exakt der Stelle im Körper, „an der sie gebraucht werden, anstatt sich im Blutkreislauf zu verteilen, wo sie gesunde Organe und Gewebe schädigen können“.

Den Transport an die gewünschte Stelle bewerkstelligt eine Art Taxi oder trojanisches Pferd: Ein abgeschwächtes Atemwegsvirus namens Adenovirus wird so modifiziert, dass es Gene für therapeutische Wirkstoffe am Immunsystem vorbei direkt in die Tumorzellen transportiert. Dort angekommen, dienen die gelieferten Gene als Baupläne für therapeutische Antikörper, Zytokine oder andere Botenstoffe. Diese werden dann von den Krebszellen selbst produziert und zerstören den Tumor von innen heraus.

Die Forschenden nennen ihre Technologie SHREAD: SHielded, REtargeted ADenovirus. Den Angaben zufolge eignet sie sich nicht nur für Krebs. Derzeit werde sie in einem vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekt eingesetzt, das auf eine COVID-19-Therapie abzielt. „Indem die SHREAD-Behandlung den Patienten über ein inhalatives Aerosol verabreicht wird, könnte unser Ansatz eine gezielte Produktion von Covid-Antikörpertherapien in Lungenzellen zulassen“, erläutert Smith. mm

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