Koste es, was es wolle – ein Appell an die Generation X

23. April 2020 09:08

Die Corona-Krise verursacht einen beispiellosen Schuldenberg. Laut Unternehmer Andy Keel sind es die momentan 40- bis 50-Jährigen, die ihn stemmen müssen. Er fordert dafür, dass diese Generation das wirtschaftspolitische System radikal verändert und Fehler korrigiert.

von Andy Keel

„Koste es, was es wolle“ – mit dieser Redewendung verkündete der österreichische Jungkanzler im März ein milliardenschweres Hilfspaket für die Wirtschaft. Und ähnliche Pläne wurden in vielen Ländern wie in der Schweiz oder auch Deutschland umgesetzt. „Koste es, was es wolle“ – das wird uns noch lange begleiten. Denn schauen wir uns doch die Millionen, Milliarden, Billionen an Hilfspaketen an: Hat sich jemand schon mal gefragt, wer das bezahlen muss?

Und da haben wir den Schlamassel.

Es ist die Generation X, deren Vertreter zwischen 1965 und 1979 geboren sind – eingeklemmt zwischen den überzähligen Baby Boomern und den coolen Ypsilon-Hipstern. Wir Xer sind zwischen 40 und 50 Jahre alt, hatten kaum Real-Lohn-Erhöhungen, haben mit null Rendite und einer kollabierenden Vorsorge zu kämpfen und ... mit einem Corona-Schuldenberg.

So weit – so schlecht.

Nun haben wir es aber in der Hand.

Lasst uns Verantwortung übernehmen. Lasst uns der letzten Generation das Zepter aus der Hand nehmen. Lasst uns die Familienbetriebe frühzeitig übernehmen. Lasst uns unsere ganze Lebenskraft und unsere 20 Jahre Berufserfahrung ausspielen. Wir können korrigieren, was die Baby Boomer verursacht und auch wir mitverschuldet haben. Damit meine ich:

  • Just in Time Produktion, bei der das VW-Produktionsband kaum zwei Wochen steht und schon sind die Zulieferer Pleite;
  • unbeschränkte Mobilität, die unser Klima vor den Kollaps getrieben hat;
  • globale Produktionsketten, die minimale Produktpreise wie bei 1-Euro-Shirts bei Primark erlauben;
  • Fleischproduktion, die heute niemand mehr will;
  • Minimale Kapitaldecken, die börsenkotierte Zombi-Unternehmen ohne Gewissen ermöglichen;
  • Abstimmungen, an denen zu zwei Dritteln nur Rentner teilnehmen und die somit von Rentnern bestimmt werden.

Das System ist so instabil, da muss nur ein Virus kommen und es ist futsch.

Wir haben uns in der Politik die letzten zehn Jahre viel nicht getraut, weil es der Wirtschaft schaden könnte. Frauenquote, Braunkohle-Ausstieg, CO2-Gebühr auf Flugtickets, die Liste ist laaaaang. …und jetzt? Jetzt wird mit Schulden, die wir einmal bezahlen müssen, eben solches auch noch gestützt und erhalten? Das haben wir zusammen mit den nachfolgenden Generationen Y und Z in der in der Hand. Gestalten wir unsere Zukunft und trauen wir uns Folgendes:

  • Lassen wir Airlines sterben.
  • Lassen wir Kreuzfahrtschiffe in den Häfen, solange sie keine Katalysatoren haben.
  • Holen wir die Wertschöpfung heim, wer will schon nach China?
  • Fördern wir konsequent Innovation und schreiben wir alte Zöpfe und Industrien ab.
  • Sichern wir unsere Altersvorsorge durch ein höheres Rentenalter und eine Rentendeckelung.
  • Digitalisieren wir die Schule und unsere Arbeitsplätze und verwirklichen wir für Mütter und Väter eine neue Freiheit.
  • Fordern wir einen Solidaritätsbeitrag von der älteren Bevölkerung ein, zumindest auf deren Vermögensgewinne der letzten Jahrzehnte.
  • Besteuern wir Erbschaften massiv, insbesondere wenn die Empfänger selbst der Baby-Boomer-Generation angehören.
  • Sorgen wir endlich für gleiche Bedingungen für Mann und Frau, also Gender Equality.
  • Wählen wir junge Politiker/Innen.

Wir merken in diesen Tagen, wie schnell unsere Rechte als Bürger verschwunden sind. Wie schnell wir wieder ganz tief in uralten Rollenmodellen stecken. Wie sehr der Markt eben nicht funktioniert und wie wackelig Europa ist. Wie unfair die Ressourcen unserer Welt verteilt sind und werden.

Es liegt an uns, die Politik zu bestimmen. Wir müssen die Suppe auslöffeln und dafür vielleicht wieder sechs Tage die Woche arbeiten.

Gen X und Y –  übernehmt Verantwortung! Gemeinsam.

Seid mutig. Seid positiv. Kauft an den richtigen Orten ein. Stellt kritische Fragen. Übernehmt Verantwortung. Wir erschaffen etwas Neues aus diesem Corona-Trümmerhaufen.
 

Andy Keel ist studierter Betriebswirt und arbeitete 15 Jahre als Banker bei der Credit Suisse und UBS, bevor er Unternehmer wurde. In Altstätten SG ist er CEO von dade-design.com concrete works, das Beton-Unikate wie Badewannen produziert. Im österreichischen Dornbirn sitzt sein Schreinereibetrieb Timberline und der comaking-space.com, in Zürich gründete er die Gender-Diversity-Beratungsagentur DOIT-Smart.org sowie die Stellenbörse Teilzeitkarriere.com.

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