Kampagne für Mikrosteuer steht vor Start

Handelsraum der UBS in Opfikon: Künftig soll eine Mikrosteuer auf elektronische Zahlungen genug Geld bringen, um die direkte Bundessteuer und die Mehrwertsteuer zu ersetzen. Bild: UBS

Die Zeit mühseliger Steuererklärungen könnte bald vorbei sein. Wenn es nach den Initianten der Einführung einer Mikrosteuer auf elektronische Zahlungen geht, könnte diese sämtliche Steuern und Sozialabgaben ersetzen. Bei einem jährlichen elektronischen Zahlungsverkehr in der Schweiz von 100 Billionen Franken würde ein Steuersatz von 0,1 Prozent genügen, um sämtliche Steuern und Abgaben auf Bundesebene zu ersetzen. Ein Steuersatz von 0,045 Prozent wäre genug, um den Wegfall der direkten Bundessteuer und der Mehrwertsteuer zu kompensieren, heisst es in einem Konzeptpapier. Das heisst, die Bürger würden nicht mehr direkt per Einzahlungsschein oder an der Supermarktkasse ihre Steuern abliefern, sondern am Bankomaten und bei Überweisungen – nur eben viel weniger. Dagegen würde der Grossteil der staatlichen Steuereinnahmen am Finanzplatz anfallen. 

Wie Marc Chesney, einer der fünf Initianten und Leiter des Instituts für Banking und Finance an der Universität Zürich, an einer Veranstaltung des Netzwerks für sozial verantwortliche Wirtschaft in der Hochschule für Wirtschaft Zürich erklärte, liegt die Volksinitiative derzeit zur Vorprüfung in der Bundeskanzlei. Vorgesehen sei, sie in den nächsten Monaten zu lancieren. Ein kleines Budget stehe schon bereit, eine Geschäftsführerin oder ein Geschäftsführer würden die Organisation der Unterschriftensammlung übernehmen.

Die Volksinitiative sieht vor, die Mikrosteuer auf Bundesebene schrittweise einzuführen. Der Steuersatz würde bei 0,01 Prozent beginnen. Damit könnte die Wirkung der Steuer getestet werden, so Chesney. Zu den erwarteten positiven Folgen rechnet er auch, dass der Hochfrequenzhandel von Finanzprodukten verschwinden und damit die spekulative Parallelwirtschaft in der Finanzindustrie geschrumpft würde.

Die Idee der Volksinitiative stammt vom Zumiker Vermögensverwalter Felix Bolliger. Zu den Initianten gehören auch der ehemalige Bundesratssprecher Oswald Sigg und Anton Gunzinger, ETH-Professor und Chef des Zürcher Ingenieurunternehmens SCS sowie der Zumiker Rechtsanwalt Jacob Zgraggen. stk