Israels Start-ups locken globale Autobauer

Was israelische Armeefahrzeuge in gefährlichen Randgebieten des Staates am östlichen Mittelmeer sicher gemacht hat, soll in Zukunft zivile Autos in aller Welt unfallfrei über ebenso zivile Straßen steuern. Navigationsprogramme und Scan-Technologie bietet die rasch wachsende Hochtechnologie Israels an.

Längst kein Startup mehr 

Die Autohersteller BMW, Ford und Volkswagen haben in diesem Sommer Partnerschaften und Käufe in Israel bekannt gegeben. „Unser multidisziplinärer Ansatz in dieser Hochtechnologie lässt uns zu einem immer grösser werdenden Teil der Industrie werden“, erklärt Ziva Eger, früher Oberst in der israelischen Armee.  Sie leitet die israelische Behörde für Internationales Investment und Industriekooperation. „Mit mehr als 300 Firmen im Autotechnologie-Sektor wird aus der Startupnation rasch eine Transportnation.“

BMW und Intel kaufen sich ein 

Computerspezialist Amnon Shashua von der Hebrew University hat seine Ausbildung ebenfalls beim Militär begonnen. Heute gilt er als der Vater des Aufstiegs der israelischen Hochtechnologie für Autos. Seine Firma Mobileye in Jerusalem ist der Spitzenlieferant für die Ausrüstung mit Kameras und Sensoren, die heute schon in viele Autos weltweit eingebaut werden. 2014 ging Mobileye in New York an der NYSE an die Börse. Das brachte bei einem Marktwert von 5,3 Milliarden Dollar (4,7 Milliarden Euro / 5,2 Milliarden Franken) Einnahmen von einer Milliarde Dollar.

Nach dem tödlichen Unfall in Florida mit einem Elektroauto von Tesla, in dem auch Mobileye-Technik eingebaut war, trennten sich das amerikanische und das israelische Unternehmen. Aber im August handelten BMW und Intel einen Vertrag mit Mobileye zur gemeinsamen Entwicklung von Technik für autonom fahrende Autos aus. Shashua: „Ich arbeite schon mit einem Drittel der Weltindustrie zusammen.“

Ford setzt auf lernende Maschinen 

Ford kaufte Ende Juli die israelische Firma SAIPS, die auf lernende Maschinen spezialisiert ist. Ford will seine Selbstlenker-Autos mit dieser Technologie verbessern und sie zusammen mit Fahrdiensten wie Uber und Lyft ab 2021 auf den Markt bringen. Zwar wurden keine finanziellen Details bekannt gegeben, aber die Wirtschaftszeitung „Globes“ aus Tel Aviv meldete, Ford habe mehrere dutzend Millionen Dollar für das erst vier Jahre alte Startup-Unternehmen bezahlt. 

SAIPS hat Algorithmen für Videoprozesse, lernende Computer und das Verarbeiten der von außen kommenden Signale entwickelt, die den Schritt zur so genannten „Level 4“ Technologie erlauben. Schon auf Stufe 3 können Fahrzeuge sicher bewegt werden, ohne dass der Fahrer auf die Straße sieht. Ab Stufe vier ist das Fahrzeug vollkommen autonom. Fords CEO Mark Fields verglich in einer Stellungnahme nach dem Kauf von SAIPS die heutige Entwicklung mit der bahnbrechenden Einführung des Fließbandes in der Autoproduktion durch Henry Ford vor hundert Jahren.

Volkswagen hat im Juni 300 Millionen Dollar in den israelischen Uber-Konkurrenten Gett investiert. Der Konzern hofft, genügend Daten zu bekommen, um „integrierte Mobilitätslösungen“ zu entwickeln, wie VW-Chef Matthias Müller sagte. 

Schutz vor Hackern 

Allen Autofirmen ist klar, dass solche vernetzten Autos dem Risiko von Cyber-Angriffen ausgesetzt sind. Auch da bieten israelische Firmen Lösungen an. Argus ist von ehemaligen Mitarbeitern der in Sicherheitskreisen bekannten Einheit 8200 der israelischen Armee gegründet worden. Das in Tel Aviv ansässige Unternehmen für Cyber-Sicherheit bietet seine Dienste weltweit an, hat jetzt Büros in Michigan, in Stuttgart und Tokio eröffnet. „Je vernetzter diese Fahrzeuge sind, umso mehr brauchen sie Cyber-Lösungen zum Schutz vor Hackern“, sagt Argus Marketingchefin Monique Lance.

Jacob Wirtschafter, Tel Aviv