In Schweizer Verwaltungsräten sitzen zu wenig Frauen

03. September 2020 12:38

Zürich - Die GetDiversity AG hat in ihrem Diversity Report Schweiz 2020 nachgewiesen, dass 67 Prozent aller Aktiengesellschaften mit mehr als 50 Mitarbeitenden keine einzige Frau im Verwaltungrat haben. Die meisten sogenannten Diversity Champions sitzen in Appenzell Innerrhoden.

Erstmals gibt es mit dem „Diversity Report Schweiz 2020“ eine Vollerhebung über die Geschlechtervielfalt in Verwaltungsräten der Schweizer Unternehmen. Das Ergebnis ihrer Studie hat die Zürcher GetDiversity AG am Donnerstag vorgelegt. Demnach haben immerhin 19 Prozent der untersuchten Firmen eine Geschlechtervielfalt in der Bandbreite von 30 bis 70 Prozent. Sie halten die bald gültigen Geschlechterrichtwerte für Verwaltungsräte von börsenkotierten Unternehmen bereits freiwillig ein. 

Die GetDiversity AG vermittelt weibliches Führungspersonal und berät Firmen bei Rekrutierungsprozessen. Sie hat für diesen Bericht 7605 im Schweizer Handelsregister eingetragene Aktiengesellschaften mit mehr als 50 Mitarbeitenden untersucht. Ihre Absicht war laut einer Medienmitteilung, „Transparenz zu schaffen über das noch ungenutzte Potenzial fähiger sowie vielfältiger Talente, mit dem Schweizer Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit wirksam sichern und ausbauen können“.

„Besonders positiv“ würden sich sich 274 Schweizer Unternehmen mit einer je hälftigen Verteilung von Frauen und Männern sowohl im Verwaltungsrat wie bei den Zeichnungsberechtigten präsentieren. Sie werden in diesem Bericht als Diversity Champions bezeichnet. Zu diesen gehört etwa als grösste Firma mit über 500 Mitarbeitenden die YX Magnetic SA aus Siders VS und als älteste Firma die Hotel Europe Davos AG. Unter den Champions bei den Firmen mit über 100 Mitarbeitenden befinden sich unter anderem die Montanstahl SA in Stabio TI und die Zürcher EF Education First AG. Als „überraschend“ wird bezeichnet, dass der Kanton Appenzell Innerrhoden, der 1991 als letzter in der Schweiz das Frauenstimmrecht auf kantonaler Ebene eingeführt hat, mit 13 Prozent den höchsten Anteil an Diversity Champions hat.

„Die Schattenseite“: 67 Prozent der ausgewerteten Unternehmen haben keine einzige Frau in ihrem Verwaltungsratsteam. „Ähnlich düster“ sei das Bild hinsichtlich der Geschlechterdurchmischung bei allen handelsrechtlich Verantwortlichen einschliesslich der Zeichnungsberechtigten: 40 Prozent arbeiten ohne Frauen unter ihren Verantwortungsträgern. „Wollen wir künftig mehr Schweizer Unternehmen, die sich auf den Weg zum Diversity Champion machen oder zumindest die 30 Prozent-Marke erfüllen, ist ein Kulturwandel in diesen Firmen unumgänglich“, so Esther-Mirjam de Boer, Mitinhaberin und Geschäftsführerin der GetDiversity GmbH.

Die Publikation des Diversity Report Schweiz 2020 wurde aktiv unterstützt durch die Mitherausgeber Die Schweizerische Post und Swiss Ladies Drive sowie die Partner AMAG, Berner Kantonalbank und SBB. mm

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