Impfung schützt Tiere vor Salmonellen

03. Juni 2021 12:49

Zürich/Basel - Schweizer Forschende haben mit ihrer Schluckimpfung Salmonellen eine Falle gestellt: Sie tötet die Keime zwar nicht, treibt sie aber in eine evolutionäre Sackgasse, wo sie weniger schädlich werden. Dieser neuartige Ansatz könnte auch bei der Bekämpfung antibiotikaresistenter Keime helfen.

Forschende der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) und des Biozentrums der Universität Basel haben einen Schluckimpfstoff gegen Salmonellen entwickelt. Das ist schon deshalb bemerkenswert, weil Bakterien durch Impfungen wesentlich schwieriger zu bekämpfen sind als Viren. Bakterien verändern sich schnell dergestalt, dass sie vom Vakzin nicht mehr erkannt werden. Gleichzeitig bleiben sie hochinfektiös.

Genau diese sogenannte Immunevasion nutzte das Team laut einer Medienmitteilung der ETH für seine neuartige Strategie: Sein Impfstoff zwingt die Bakterien, sich in eine bestimmte Richtung zu entwickeln, die für sie eine Sackgasse darstellt. Bei Versuchen an Mäusen ermittelten die Forschenden alle möglichen Immunevasionsmutationen. Schliesslich stellten sie einen Impfcocktail her, der das ganze Spektrum an Ausweichmöglichkeiten abdeckt. So verschwinden sie zwar nicht, werden aber wesentlich ungefährlicher. Mikroben seien extrem anpassungsfähig, so Médéric Diard in einer eigenen Mitteilung des Basler Biozentrums. „Allerdings können die Bakterien die langfristigen schädlichen Folgen dieser Anpassung nicht vorhersehen. Unser Impfstoff nutzt diese Schwäche aus.“

„Wir konnten so zeigen, dass Immunevasion nicht bloss eine grosse Herausforderung der Impfstoffentwicklung ist, sondern dass man sie gezielt zum Vorteil von Tieren und Menschen einsetzen kann“, erklärt ETH-Professorin Emma Slack in einem Video, das anlässlich der Nominierung des Teams für den Spark-Award der ETH produziert wurde. Jetzt wurde ihre Arbeit auch in der Fachzeitschrift „Nature Microbiology“ veröffentlicht.

Laut ETH planen die Forschenden nun, nach demselben Prinzip Impfstoffe gegen andere Mikroorganismen zu entwickeln, etwa gegen antibiotikaresistente Bakterienstämme. Ausserdem sei es denkbar, diesen Ansatz biotechnologisch zu nutzen. So könnten Mikroorganismen mithilfe des Impfstoffs und des dadurch erzeugten Selektionsdrucks gezielt verändert werden. mm

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