Gefahren sind grösser als angenommen

21. Mai 2019 12:24

Zürich - Die bei einem schweren Nuklearunfall freiwerdende Radioaktivität dürfte um ein Vielfaches höher ausfallen als bisher angenommen. Dies stellt eine Studie des Instituts Biosphère in Genf fest. Sie stuft auch die Wahrscheinlichkeit für den Unfalleintritt wesentlich höher ein.

„Die Schweiz ist auf einen grossen Nuklearunfall unzureichend vorbereitet“, überschreibt die Schweizerische Energiestiftung (SES) eine Mitteilung. Die energiepolitische Fachorganisation stützt sich bei dieser Aussage auf die vom Institut Biosphère erstellte Studie „European Nuclear Power Risk Study (EUNUPRI2019)“. In der Studie wurden auf der Grundlage realer meteorologischer Daten von 2017 die möglichen Auswirkungen eines grossen Nuklearunfalls in einem der Kernkraftwerke der Schweiz oder dem in Bugey im benachbarten Frankreich simuliert.

Den Ergebnissen der Studie zufolge läge die bei einem schweren Unfall freiwerdende Strahlung beim 30-fachen des Wertes, den das Bundesamt für Bevölkerungsschutz seinen Planungen für Schutzmassnahmen zugrundegelegt hatte. Konkret gehen die Studienautoren im Fall eines schweren Nuklearunfalls von langfristig mehr als 100.000 Strahlenopfern in der Schweiz und den Nachbarländern aus. Insgesamt würden ihnen zufolge rund 20 Millionen Einwohner Europas im Fall eines Unfalls in Beznau, Gösgen, Mühleberg, Leibstadt oder Bugey radioaktiver Strahlung ausgesetzt werden.

Auch die Wahrscheinlichkeit einer nuklearen Katastrophe liegt der Studie zufolge wesentlich höher als bei den internationalen Standards für die Kernkraftwerksicherheit angenommen. Das Risiko liege „gegen zwanzigmal höher“ und sei somit „inakzeptabel hoch“, schreibt die SES in der Mitteilung. Die energiepolitische Fachorganisation sieht damit „die Forderung einer raschen Abkehr von der Kernenergie in der Schweiz wissenschaftlich begründet“. hs

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