Forscher weist Demenz im Blut nach

27. September 2021 13:46

Dübendorf ZH/St.Gallen - Der Wissenschaftler Peter Nirmalraj will einen Bluttest zur Diagnose von Demenzerkrankungen entwickeln. Eine gemeinsam mit der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St.Gallen durchgeführte Pilotstudie konnte nun erfolgreich abgeschlossen werden.

Forscher Peter Nirmalraj von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) ist im Blut Anzeichen für Demenz auf der Spur. Im Rahmen einer nun erfolgreich abgeschlossenen Pilotstudie konnte er laut einer Medienmitteilung bei erkrankten Versuchspersonen ein Muster erkennen: Ihre Blutproben wiesen grosse Mengen von Proteinfasern aus Beta-Amyloid-Peptiden und Tau-Proteinen auf. Dabei konnten sich diese Proteine zu Fasern von mehreren hundert Nanometern Länge zusammenfügen. Hingegen zählte der in Dübendorf und St.Gallen tätige Forscher bei gesunden Personen lediglich wenige Fasern auf roten Blutkörperchen.

Dass beide Eiweisse bei dementen Krankheitsgeschehen in Körperflüssigkeiten vermehrt vorkommen, war bekannt. Ihre genaue Rolle bei neurodegenerativen Erkrankungen ist aber noch nicht entschlüsselt. Die von Nirmalraj erarbeiteten Technologien können neu nicht nur die Gesamtmenge dieser Eiweisse bestimmen, sondern auch die Unterschiede bezüglich Gestalt und Zustand der Proteinansammlungen sichtbar machen. Für seine Blut-Beobachtungen im Nanometerbereich nutzt er die Rasterkraftmikroskopie (AFM). In einem Video stellt er sein Vorgehen vor.

Gemeinsam mit Neurologen des Kantonsspitals St.Gallen analysierte Nirmalraj in der Pilotstudie Blutproben von 50 Patientinnen und Patienten sowie 16 gesunden Personen. Den jeweiligen zur Blutprobe gehörenden Gesundheitszustand kannte der Wissenschaftler nicht: „Nur so konnte garantiert werden, dass die Interpretation der Daten objektiv blieb.“ Ihre Ergebnisse wurden nun im Fachmagazin „Science Advances“ publiziert.

Sollte sich mit dieser Methode ein zuverlässiger Bluttest entwickeln lassen, „bliebe Menschen mit Verdacht auf Alzheimer die unangenehme Punktion des Rückenmarkts erspart, um die Krankheit eindeutig diagnostizieren zu können“, so Nirmalraj. In einem nächsten Schritt will das Team nun die klinische Datenbasis erweitern und erhärten. mm

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