Flexibler Renteneintritt ist kein Allheilmittel

19. Februar 2020 10:32

Winterthur - Die Flexibilisierung des Rentenalters ist angesichts leerer Rentenkassen wichtiger Bestandteil der Reformberatungen. Laut einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften führt sie jedoch nicht automatisch zu einem verlängerten Arbeitsleben. Dazu bedürfte es weiterer Anreize.

Die Flexibilisierung des Renteneintrittsalters führt nicht zwingend zu einer Verlängerung des Arbeitslebens. Das ist laut einer Medienmitteilung das Ergebnis einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Sie wurde vom Schweizerischen Nationalfonds SNF finanziert. Dafür hat Studienleiterin Isabel Baumann zusammen mit Co-Autor Ignacio Madero-Cabib von der Katholischen Universität Chile die Rentenübergangsverläufe in vier Ländern untersucht, die einen flexiblen Altersrücktritt anbieten: Chile, USA, Dänemark und Schweden. Bevölkerungsbefragungen förderten zutage, dass fast zwei Drittel der Befragten zwischen Anfang (43 Prozent) und Mitte 60 (23 Prozent) in Rente gingen. 

In Ländern mit niedrigen sozialen Leistungen (USA und Chile) arbeiten die Menschen tendenziell länger. Eine Ausnahme bilden Personen mit gesundheitlichen Problemen. Sie gehen in diesen neo-liberal geprägten Ländern häufiger frühzeitig in Rente als gesunde Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Dieser Unterschied im Pensionierungsverhalten konnte in Dänemark und Schweden nicht beobachtet werden.

Demnach wirken sich flexible Pensionierungssysteme je nach Qualität der Sozialsysteme unterschiedlich aus. Sie führen nicht automatisch zu einer Verlängerung des Arbeitslebens. „Dies sollte im Hinterkopf behalten werden, wenn im Rahmen der aktuellen Reformvorlage über die Einführung des flexiblen Rentenalters debattiert wird“, gibt Studienleitern Isabel Baumann zu bedenken. „Soll der Verbleib am Arbeitsmarkt gefördert werden, braucht es andere Ansätze. Eine Möglichkeit wären attraktivere Arbeitsbedingungen für ältere Arbeitnehmer.“ Eine sinnvolle Reform müsse die durch die AHV errungene Reduktion der Altersarmut erhalten und eine finanzielle Prekarisierung der Rentnerinnen und Rentner wie in den USA vermeiden. mm

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